Vielfach unterwegs – Keyborder Andreas „Bruno“ Leuschner

Einst bei electra, nun an den Tasten bei Crazy Birds

„Man müsste Klavier spielen können“ – der bekannte Schlager von Johannes Heesters aus dem Jahr 1941 war nicht unbedingt der Beweggrund, das Fach Klavier an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden zu belegen. Es war aber die Grundlage, später in verschiedenen DDR-Rockbands an den Tasten zu sitzen. Begonnen hat die Musikerkarriere einst bei der Dresdener Band „Brückenhaus“, es folgten „Lot“ aus Dippoldiswalde und die Krönung an den Keybords von „electra“ und „Lift“. Mittlerweile tourt er als ehemaliges Mitglied der sich Ende 2015 aufgelösten Band „electra“ mit „Crazy Birds“ durch die Lande – Andreas „Bruno“ Leuschner. Der 62-Jährige nahm sich Zeit, sich vor einem Konzert im St. Barbara in Lichtentanne einigen Fragen zu stellen.

Wie kam es zur Mitgliedschaft bei „electra“?

Leuschner: Nachdem Rainer Uebel 1984 bei einer Tour von „electra“ im Westen geblieben war, war die Position des Keyboarders vakant. Ich kannte Angela Ullrich. Ihre Band „Na und“ war oft Vorband von „electra“. Man kannte sich über sogenannte drei Ecken. Sie empfahl mich Bernd Aust.

Und dann ging alles seinen damals „sozialistischen Gang“?
Leuschner: Kann so nicht gesagt werden. Um einen weiteren „Westabgänger“ zu vermeiden, ließ mich Aust „durchchecken“. Denn „electra“ wollte auch weiterhin jenseits der Grenze Auftritte machen. Der Check verlief positiv, also ging´s los.

Aber nicht nur bei „electra“!
Leuschner: Nein. Manchmal, genauer seit 2023, auch bei „Lift“. Das kam durch die Zusammenarbeit beim Bandprojekt „Sachsendreier“, das es bereits seit 1997 mit „electra“, „Lift“ und der „Stern-Combo Meißen“ gab.

Apropos Sachsendreier. Anstelle von „electra“ gehört nun Karussell dazu. Warum nicht Cazy Birds, die mit dir und Ecki Lipske insgeheim als „electra“-Nachfolger bezeichnet werden?

Leuschner: (schaut etwas verdutzt) Es sind doch drei Bands aus Sachsen! Und das passt auch so ganz toll.

Es gibt in „Crazy Birds“-Konzerten nicht nur „electra“-Titel, sondern auch viel von „Lift“ und „Reform“ – Stephan Trepte zu Ehren?

Leuschner: Kann so gesehen werden. Stephan hat mit seiner charismatischen Stimme und musikalischem Wirken nicht nur bei genannten Bands große und nachhaltige Spuren hinterlassen.

Die ehemalige DDR-Band „LOT“ gibt´s wieder mit dem Projekt „Beatles in Classic“, bei dem du die Tasten bedienst. „Crazy Birds“ hat auch Joe Cocker- und Tom Waits-Titel im Repertoire – und die Beatles?

Leuschner: Das ist nicht die musikalische Ausrichtung von „Crazy Birds“. Außerdem ist genanntes Beatles-Projekt mit Streichergruppe und Bläsersatz. Also außerhalb der instrumentalen Möglichkeiten von „Crazy Birds“.

Beim Bläsersatz kommen zumindest Erinnerungen an Bernd Austs Flöten- oder Saxophon-Spiel und an grandiose „electra“-Adaptionen. So etwas bei „Crazy Birds“ angedacht?

Leuschner: Genau das sind die Stichworte: Flöte oder Saxophon. Die fehlen einfach dazu. Und ganz ehrlich: Es macht verdammt viel Arbeit, ist verdammt schwer zu spielen…Aber ich nehm´ das mal als Anregung mit. Vielleicht doch mal.

Zurück zum aktuellen Titel-Repertoire. Bei derart vielen Songs von „Reform“, „electra“ und „Lift“ hättet ihr euch doch auch „Relli“ nennen können?

Leuschner: (lacht) Lustig! Nein, die eigentliche Idee der „electra“-Nachfolge kam, weil mit Gisbert Koreng, Ecki und mir drei ehemalige „electras“ zusammen auf der Bühne standen. Und so passt´s ganz gut, auch namentlich als „Wilde Vögel“.

Selbst einst an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ studiert. Nun dort Dozent für „Schulpraktisches Klavierspiel“, was genau bedeutet?

Leuschner: Ich bilde Musiklehrer für Mittelschulen und Gymnasien aus, damit die die einzustudierenden Lieder am Klavier auch begleiten können. Und das in allen Musikrichtungen, vom Volkslied bis hin zu Rock und Pop.

Da geht´s mehr oder weniger um den Nachwuchs. Da sieht´s bei Bandgründungen doch eher mau aus. Wieso sind eher Solo-Künstler angesagt, die „ihre Band“ haben?

Leuschner: Bandgründungen gibt´s sicherlich noch, aber eher im absoluten Amateurbereich. Es ist schwer, als Profi auch gut Geld zu verdienen. Und dann kommt hinzu: Wer halbwegs mit dem PC umgehen kann, Musik machen will und kann, hat übers Internet doch heutzutage ganz andere Möglichkeiten, als eine Band zu gründen.

Wie lange werden „electra“-, „Lift“- und „Reform“-Titel noch gern gehört werden?

Leuschner: So lange die „Graukappen“, (lacht) also die gegenwärtigen Herren über sechzig samt Begleitung, noch kommen und eventuell ihren Nachwuchs für diese Musik begeistern können. Aber auch wir werden älter… ein paar Jährchen aber sicher noch!

Abschließend noch die Frage: Woher kommt der Spitzname „Bruno“?

Leuschner: Tatsächlich kommt mein Spitzname vom ehemaligen Vorsitzender der Staatlichen Plankommission der DDR, der allerdings lange vor meinem musikalischen Tun aktiv war.

Dann noch zahlreiche Konzerte mit „Crazy Birds“ und dem Beatles-Projekt vor „nicht älter werdendem Publikum“.

Ein Konzertbericht aus dem St. Barbara steht unter zwickau2000.de

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