Vier entscheidende Tore zum Sieg gegen Celtic Glasgow

Erinnerungen mit Werner, Peter, Jürgen und Ludwig

Zum Jubiläumsfest 50 Jahre Sieg im Europapokal der Pokalsieger im damaligen noch Georgie-Dimitroff-Stadion gegen Celtic Glasgow intonierten die Fans am 17. März 2026 den im Nordostfußball von einigen Vereinen genutzten aber insbesondere auf die BSG Sachsenring Zwickau und ihre Europapokalgeschichte zutreffenden Ruf:

Von Aue bis nach Liverpool, von Glasgow bis Athen, von Stalingrad bis an die Spree, keiner schlägt die BSG!

Denn richtigerweise begann die 1975/76 absolvierte Europapokalgeschichte in Aue, setzte sich fort an der Spree, gab´s entscheidende Momente in Athen (Patras) und Glasgow. Vier Tore können dabei als Meilensteine betrachtet werden.

Werner Bräutigam schießt das 1:0 in Aue

Im Halbfinale des FDGB-Pokals der Saison 1974/75 standen sich die BSG Sachsenring Zwickau und die BSG Wismut Aue gegenüber. Die Rot-Weißen gewannen ihr Heimspiel durch einen von Heinz Dietzsch in der 45.Minute verwandelten Elfmeter 1:0. Das Rückspiel im Otto-Grotewohl-Stadion hat Folgen bis in die Gegenwart. „Ab da habe die große Abneigung zwischen den Fans von Aue und Zwickau ihren Lauf genommen“, meint auch Werner Brätigam, der das entscheidende Auswärtstor erzielte. „Ich habe uns in Aue in der 10. Minute 1:0 in Führung gebracht. Danach haben wir uns nach den Gegentoren von Alfons Babik (17.) und Dieter Schüßler (47.) mehr oder weniger ins Ziel gerettet. Denn danach spielte nur noch Wismut. Sie gewannen zwar 2:1, doch wegen der damals noch gültigen Auswärtstorregel kamen wir ins Finale. Wohl auch, weil Schiri Rudi Glöckner zwei Treffer von Alfons Babik und Dietmar Pohl nicht anerkannte und ein Handspiel von Heinz Dietzsch nicht gesehen habe, ein dann möglicher verwandelter Elfer das für Aue so wichtige 2:2“, erinnert sich Bräutigam. Die Auer sahen sich wegen aus ihrer Sicht fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen um den Finaleinzug gebracht.

Peter Nestler bringt in letzter Minute Zwickau ins 11-m-Schießen

Zum Pokalfinale im Stadion der Weltjugend gegen die SG Dynamo Dresden musste Zwickaus Trainer Karl-Heinz Kluge seine Elf insbesondere in der erprobten Abwehr etwas umformieren. Hans Schykowski rückte auf den Libero-Posten, Vorstopper war Peter Henschel, rechts Roland Stemmler und links Joachim „Acki“ Schykowski. Bereits in der elften Minute schied Dieter Leuschner verletzt aus. Es kam Andreas Reichelt, der auf rechts hinten rückte, Stemmler auf links, Acki ins Mittelfeld. Nach dem 0:1 durch Gert Heidler (65.) und dem Ausgleich von Joachim Schykowski (73.) ging´s in die Verlängerung, in der Frank Richter (99.) Dresden wieder in Führung brachte. „In der kurzen Ansage und dem 1:2-Rückstand hat der Trainer während des Seitenwechsels gesagt: ‚Jetzt spielen wir alles oder nichts!‘ Die Schykowskis sollten ihre Kopfballstärke ausspielen. Wir sollten versuchen, sie mit Flugbällen im Strafraum in Szene zu setzen. Kurz vor Ende der Verlängerung hieß es, totale Offensive. Heinz Dietzsch gelang es dann auch, von rechts eine Superflanke in den 16er zu schlagen. Hans Schykowski sah mich frei auf dem Elfmeterpunkt stehen und verlängerte per Kopf und ich habe mit links vollendet“, wie Peter Nestler das Geschehen schon unzählige Male beschrieben hat. „Es passte einfach, war irgendwie verdient und Lohn für unseren Kampfeswillen und Dank an unsere damals stimmungsvolle Fankulisse.“

Jürgen Croy nicht nur exzellent im Tor, sondern auch vom Punkt

Nach Nestlers last-minute-Ausgleich musste erstmals in der bisherigen FDGB-Pokal-Geschichte der Pokalsieger in einem 11-m-Schießen ermittelt werden. „Wir waren auf alles vorbereitet. Auch auf ein mögliches 11-m-Schießen. Also stand auch fest, wer antreten wird. Ich habe gleich gesagt, dass ich als Mannschaftskapitän als letzter schießen werde, egal wie´s bis dahin stehen sollte, die Verantwortung über eventuellen Sieg oder Niederlage übernehme“, wird Jürgen Croy noch heute zum damaligen Geschehen zitiert. Er habe sich den Ball mit besonderer Motivation und notwendiger Abgeklärtheit und Überzeugung auf den Punkt gelegt. Der Rest ist bekannt. Croy verwandelte den letzten entscheidenden Elfer. Die BSG gewann den Pokal und die FUWO titelte: „Boden am Boden“. Somit schoss Croy die Zwickauer auf die europäische Fußballbühne, startete Sachsenring, auch wenn es die DDR-Fußball- und politische Obrigkeit zunächst boykottieren wollte, im Europa-Pokal der Pokalsieger.

Das gleiche Szenario wiederholte sich vom Punkt aus im Heimrückspiel gegen den AC Florenz. Auch hier war es Croy, der mit dem letzten verwandelten Elfer Zwickau ins Viertelfinale schoss.

Ludwig Blank – der „Schottentod“ oder „Celtic-Töter“

Dem DFV, dem Deutschen Fußballverband der DDR, hatte es wahrlich nicht geschmeckt, dass die kleine BSG ausnahmslos Vereine aus dem Westen zugelost bekam. Noch erstaunter waren die Funktionäre, dass sich eine BSG gegen so namhafte Clubs wie Panathinaikos Athen, AC Florenz und Celtic Glasgow durchsetzte und letztlich erst gegen den späteren Pokalsieger RSC Anderlecht im Halbfinale die Segel streichen musste.
Unvergessen ist bis heute das Viertelfinal-Rückspiel im heimischen Georgi-Dimitroff-Stadion, der berühmt wie berüchtigten „Halde“, gegen den damals bereits 30-fachen schottischen Landesmeister Celtic Glasgow.

Dem zweifachen goldenen Torschützen Ludwig Blank wird bis heute gehuldigt. Ihm gelangen zwei fast identische Tore. Im Celtic-Park nach Leuschner-Pass in der 89. Minute das 1:1. In Zwickau bereits in der 5. Minute das alles entscheidende 1:0, bei dem es bis zur 90. Minute bleib.

„Es waren einfach zwei Traumtore, die mich bis heute in positivem Sinne regelrecht verfolgen. Die Schotten spielten in ihrer Hälfte den Ball quer. Ich spritzte dazwischen, legte den Ball noch um einen Abwehrspieler und hab´ einfach draufgehalten. Ich denke, es waren so um die 22 Meter und der Ball senkte sich ins lange linke Eck“, weiß der in Rodewisch geborene Torschütze, der von Blau-Weiß Reichenbach nach Zwickau gekommen war, den Ablauf der Dinge. Ob seiner ihm durch diesen Doppelpack verpassten Spitznamen wie „Schottentod“ oder „Celtic-Töter“ schmunzelt er bis heute.

Auf dem Foto von links: Werner Bräutigam, Peter Nestler, Jürgen Croy und Ludwig Blank beim gemütlichen Beisammensein zum Jubiläum 50 Jahre Sieg gegen Celtic Glasgow im Turm des Westsachsenstadions.

Mehr Infos und Impressionen zu 50 Jahre Pokaltriumpf über Celtic Glasgow.

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