Als Musiker und Lehrer Begeisterung wecken
Seine große Leidenschaft ist der Jazz. Geboren ist er in Plauen, studiert hat er in Berlin, wo er eigentlich auch gern geblieben wäre, und in Weimar. Er ist in vieler Hinsicht trotzdem Autodidakt und hat mittlerweile schon lange seinen Lebensmittelpunkt wieder in Sachsen. In Zwickau unterrichtet er am Robert-Schumann-Konservatorium, ist leidenschaftlicher Musiker und ehrt seit geraumer Zeit mit seinen „Swing Serenaders“ mit ausgewählten Liedern in eigener Interpretation das Schaffen von Manfred Krug – Jens Pflug.
Das aktuelle Konzertprogramm heißt „Pflug singt Krug“. Warum ausgerechnet Krug?
Pflug: Da gibt´s viele Berührungspunkte. Jazzmusik war schon immer mein Ding. Ein weiterer ist Günther Fischer, mit dem Krug über Jahre zusammengearbeitet hat. Fischer wiederum wuchs wie ich in Plauen auf, war zusammen mit meinen Eltern am Zwickauer Konservatorium und meine Gesangslehrerin hat Krug das Improvisieren gelehrt… (lächelt) reicht das?
Aber nun der Reihe nach. Woher kam das Interesse für Musik und zum Gesang?
Pflug: Zur Schule bin ich in Jocketa gegangen und mit fünf haben mich meine musikalisch geprägten Eltern in der Musikschule Plauen zum Klavierunterricht angemeldet. Eigentlich wollte ich Bass lernen. Mit neun kam dann doch noch was zum Zupfen und Streichen hinzu: Cello.
Das umschreibt den instrumentalen Teil, aber wann wirklich zum Gesang gekommen?
Pflug: Heute heißt es Singer-Song-Writer.Bereits früh habe ich begonnen, eigene Lieder zu schreiben und mich auf der Gitarre, was ich mir selbst beibrachte, zu begleiten. Ich hatte sogar einige von der damaligen Konzert- und Gastspieldirektion vermittelte Auftritte.
Also keine Schülerband?
Pflug: Leider nicht. Da gab´s glaube ich zu wenig Gleichgesinnte.
Und bei den Solo-Gigs hat dich jemand entdeckt und zum Studium geschickt?
Pflug: Nein, das waren wiederum meine Eltern, aber auch vor allem ich selbst. Und in Berlin gab´s damals an der Musikschule Hans Eisler ein sogenanntes Vorstudienjahr, also das Abi in einem Jahr. Danach blieb ich in Berlin an besagter Hochschule und studierte Tanz- und Unterhaltungsmusik, Richtung Gesang.
In dieser Zeit tauchen einige bekannte Namen im Umfeld auf.
Pflug: Kann ich bestätigen. In meiner Klasse waren unter anderen Inka Bause, André Birr und Pascal von Wroblewsky. Genial war allerdings der Unterricht bei Ruth Homann, der damaligen Grand Dame des Jazz in der DDR. Sie war es, die Manne Krug das Improvisieren beigebracht hat – und natürlich uns auch.
Nun hat das angesprochene Studium nicht zwingend etwas mit Jazz zu tun. Wie endgültig in diesem Genre gelandet?
Pflug: Das lag neben meinem eigenen Faible für dieses Genre auch an der Reihe „Jazz – Lyrik – Prosa“ und den „Jazz-Optimisten“ und daran, dass es in Berlin genügend Jazz-Interessenten gab. Daraus wurde „Jazz im Frack“, eine langjährige, von 1986 bis 2006 währende Konzertreihe an der Komischen Oper, bei der ich dabei war.
Und dann trotzdem in die „Jazz-Provinz“ nach Zwickau gegangen?
Pflug: Da spielen der ehemalige Direktor des KONs, Hans Luft, und wiederum meine Eltern eine entscheidende Rolle. Auch, dass ich in Weimar an der Franz Liszt noch den Abschluss als Gesangslehrer gemacht hatte. Und mit einer Anstellung in Zwickau war ich meiner Heimat auch wieder etwas näher.
Bleibt als Lehrer dann noch ausreichend Zeit, sich als Musiker zu verwirklichen?
Pflug: Im Prinzip sogar hier am KON mit dem von mir gegründeten Jazz-Chor. Bis 2025 auch die Leitung der KON-Big-Band „Swing it“ und meine Band „Swing Serenaders“. Das passt so ganz gut.
Neben den „Swing Serenaders“ gibt´s in Berlin auch die „Swingin´ Serenaders“ – und zig Verwechslungen?
Pflug: Entschuldigung, davon höre ich das erste Mal. Vielleicht, weil ich schon eine Weile aus Berlin weg bin. Verwechslungen gab es allerdings bisher noch keine.
Wie kam es zum doch fast sensationell besetzten Quartett der „Swing Serenaders“?
Pflug: Erst mal Danke für das Kompliment. Aber ja, Torsten Adrian an den Drums, Axel Muschen, Geige, und Jens Saleh am Kontra-Bass sind gestandene Jazzmusiker. Saleh zupfte bereits bei „Engerling“ und Axel Donner, Adrian war mit Til Brunner und Udo Lindenberg unterwegs und Muschen spielte die letzten zwei CDs mit Krug ein. (zuckt mit den Achseln) Man kennt sich halt und findet sich.
Wie findet es der Jazzfreund, dass mit dem ehemaligen Club in der Hauptstraße (damals monatlich ein Dixie- oder Jazzfrühshoppen) und dem Theater in der Mühle (jetziges GGZ-Gebäude) Bühnen für derartige Musik nicht mehr existieren?
Pflug: Ganz klare Ansage: Zwickau täte eine Kleinkunstbühne mehr als gut! Betonung liegt auf Kleinkunst, wo auch der Jazz seinen Platz finden würde. Akteure gibt´s, das breite Publikum müsste eventuell gezogen werden… Ich stell´ mir das gut vor.
Publikum ist mit Interessenten gleichzusetzen. Wie sieht´s denn da für den Jazz-Chor und „Swing it“ aus?
Pflug: Zur Zeit läuft´s ganz gut. Die Besetzungen wechseln im Prinzip jährlich. Da braucht´s für solche Projekte die notwendige Lust dazu, das Engagement oder besser gesagt die Begeisterung der jungen Generation. Aber, wir geben unser Bestes.
Nochmal zurück zum Anfang, zu „Pflug singt Krug“. Das gibt´s demnächst wann und wo zu erleben?
Pflug: Pläne sind ausreichend vorhanden, zum Beispiel fürs Vogtland in Reichenbach, Bad Elster, Plauen, Greiz. Das muss alles organisiert werden.
Bleibt weiterhin viel Erfolg zu wünschen, damit noch mehr Publikum „Pflug singt Krug“ genießen kann.
Redaktioneller Beitrag und Konzert-Impressionen unter zwickau2000.


