„Ich bin kein Typ für Rock und Kleid!“ – Inga Rumpf

Die geniale Interpretin feierte 2026 ihren 80. Geburtstag

Das Jahr neigt sich dem Ende. Einige Interpreten begingen ihren 80. Geburtstag. Unter ihnen auch zwei Deutsche, die sich national wie international während ihres Musikerdaseins einen Namen gemacht haben – Udo Lindenberg und Inga Rumpf. Beide verbindet nicht nur eine gemeinsame Zeit bei den „City Preachers“ und der Gruppe „Atlantis“, als Udo L. die Trommelstöcke schwang. Beide waren auch schon zu Gast in Zwickau. Lindenberg am 26. November 2004 u.a. mit Nina Hagen im Rahmen seiner „30 Jahre Panik Power – Aufmarsch der Giganten“-Tour in der Stadthalle . Inga Rumpf spielte am 10. Juli 2015 vor über 700 begeisterten Gästen das Eröffnungskonzert der neuen von KulTour Z und Liederbuch initiierten Veranstaltungsreihe „Planitzer Schlossakkord“ (die z.Z. eine Ruhepause einlegt) im Hof von Schloss Planitz in Zwickau.

Rumpf ist seit den Sechzigern im Musikgeschäft. Die in Hamburg / Sankt Georg Geborene verbindet in ihrem Repertoire Rock, Blues, Soul, Folk, Jazz und Gospel. Internationalen Ruhm erlangte sie nicht nur als Frontfrau von „Frumpy“und „Atlantis“. Sie war auch mit B.B. King, Aerosmith, Lynyrd Skynyrd und Lionel Richie auf Tour. Sie schrieb zudem 1982 für Tina Turner den Song „I Wrote A Letter“, der auf Turners Comeback-Single „Let’s Stay Together“ Platz fand.

2015, vor dem damals sensationellen Konzert „Inga Rumpf & friends – Back to the Roots“ im Schloss Planitz, nahm sie sich Zeit für ein sehr ausführliches Interview, das auch aus heutiger Sicht – im Jahr ihres 80. Geburtstags – nicht an Tiefgang verloren hat.

Wann und wie kam es dazu, Sängerin werden zu wollen?

Rumpf: Mein Vater war Seemann. Irgendwann, ich war noch ein kleines Mädchen, nahm er mich mit in die Gaststätte meiner Tante, stellte mich auf den Tresen und sagte. „Inga, sing mal was!“ Ich sang ein Lied von Elvis Presley. Am Ende gab mit der Kneipier fünf Mark. Damals für mich viel Geld. Dabei kam irgendwie der Gedanke auf, damit einmal richtig Geld verdienen zu können und zu wollen.

Ging´s dabei nur ums Geldverdienen?

Rumpf: Nein, auch sich irgendwie anerkannt zu fühlen, als kleiner Star.

Dabei hätte es elterlicherseits eher in Richtung Klassik gehen sollen!

Rumpf: Ja, meine Mutter wollte, dass ich Geige spielen lerne. Doch mein Herz schlug für andere Musik. Nach langem Gebettel bekam ich mit dreizehn zu Weihnachten eine Gitarre.

Weil Rockmusik ohne Gitarre…

Rumpf: … gar nicht geht. Ich war somit bald eine der ersten Frauen in der damaligen Szene, die eine E-Gitarre spielte.

Und es wo oder wie gelernt?

Rumpf: Selbst! Geübt, geübt und viel abgeschaut.

Auch beim Jammen mit den Stones-Größen Keith Richards und Ronnie Wood?

Rumpf: Ja, das war eine prägende Erfahrung.

Bleibt noch ein Wort zur markanten, rauen Stimme!

Rumpf: Die war schon immer so tief. Bereits früher hab´ nur Hosen gertagen, teils Herrenhemden, so dass die meisten erst beim zweiten Hinschauen bemerkten: Oh, da singt ja eine Freau. Außerdem: Ich bin kein Typ für Rock und Kleid!

Nach 2007 steht nun der zweite Auftritt in Zwickau an – welche Erinnerungen gibt´s an das damalige Konzert im Gasometer?

Rumpf: Es wird sogar das dritte Konzert. Bereits in den 70ern war ich schon einmal in Zwickau in der „Neuen Welt“ im Rahmen eines „Ost-West-Künstler-Austauschs“.

Das Planitzer Schloss, nun Ort des Zwickauer Konzerts, beherbergt ein musisches Gymnasium mit Musik-Spezial-Klassen. Welche Rolle sollte Musik im Kindes- und Jugendalter spielen?

Rumpf: Musik ist in jedem Alter wichtig. Sie verbindet über Generationen hinaus, hat etwas von Meditation, Dem-zu-sich-selber-Finden in sich und prägt, ähnlich wie im Sport, auch das Teamwork.

Selbst in den 70ern und 80ern als Dozentin an der Hamburger Musikhochschule tätig gewesen – und heute… gibt´s einen Tipp an die jungen Musiker, nicht nur in Zwickau?

Rumpf: Als Dozentin arbeite ich nicht mehr. Damals habe ich mehr oder weniger in Hamburg den Studiengang Rockmusik mit „angezettelt“. Als Tipp kann ich nur empfehlen: Immer auf das eigene Talent hören, sich raussuchen, was einem liegt und gefällt und dabei gute Gleichgesinnte um sich scharen.

Gilt dieser Tipp auch in punkto für das aus der Mode gekommene Tagebuchschreiben?

Rumpf: Durchaus. Man hört sozusagen durchs Schreiben nochmal in sich hinein. Es sammelt vor allem viele Erinnerungen, die wann auch immer reflektiert werden können und mit dem Alter sonst verloren gehen.

Nochmal zurück zum Elternhaus. Wieviel Anteil hat es am eingeschlagenen Musikerweg – oder anders gefragt: Gäbe es die Musikerin Inga Rumpf, wenn Vater nicht ein bisschen Quetschkommode gespielt und Mutter nicht im Kirchenchor gesungen hätte?

Rumpf: Irgendwie habe ich wohl etwas davon geerbt. Singen war bei uns zu Hause das Natürlichste von der Welt. Obwohl – meiner Mutter zuliebe habe ich einen „ordentlichen Beruf“ gelernt: Grafikerin und Dekorateurin.

Gewisse Gen-Eigenschaften überspringen ja manchmal eins-zwei Generationen. Inwieweit trifft das auf die Musik von Frumpy oder/und Atlantis zu?

Rumpf: Es ist schön, dass ein Teil der jungen Musiker wieder zur handgemachten Musik zurückfinden, die reine E- und Computer-Musik anscheinend in den Hintergrund rückt. Somit werden auch einige ältere Titel neu arrangiert.

Ende 1969 gibt´s mit Jean-Jacques Kravetz, Karl-Heinz Schott und Udo Lindenberg die „neuen“ City-Preachers – ein „Glücksgriff“ nicht nur in der Zusammensetzung der Band, sondern auch für die Karriere von Inga Rumpf an sich?

Rumpf: Wie ich eingangs schon empfohlen habe – ebenbürtige, im Musikstil Gleiche haben sich zusammen gefunden und dann eben tolle Musik gemacht. Das war´s, mehr nicht.

Zweifelsohne bis dato eine fabelhafte einzigartige Karriere mit vielen großartigen Liedern. Ist dabei eigentlich der Text zuerst da und dann wird´s je nach Laune ein Blues-, Jazz- oder Rock-Titel?

Rumpf: Das passiert sowohl als auch. Irgendwie gerät eine Titelzeile oder ein Rhythmus in den Kopf und dann ergibt sich alles Weitere.

Halten insbesondere die immer noch gefeierten alten Titel selbst jung?

Rumpf: Die Zeit vergeht, man kann und sollte sie nicht zurückholen. Damals waren die Stücke auch länger, weil viel improvisiert wurde, was heute in dem Maße niemand mehr so haben will.

Was für Musik hören sie heute?

Rumpf: Ich höre kaum noch Musik, nicht mal im Auto. Ich war wohl zu viel unterwegs und habe so viel Musik gehört. Ich genieße nunmehr die ländliche Ruhe in der Wesermarsch.

Zum 65. lautete es in einem Geständnis: Ich bin ein wenig faul. Inzwischen unbedeutend älter, immer noch auf Tour – wann und wie eigentlich faul?

Rumpf: Eigentlich bin ich immer fleißig und irgendwie kreativ, habe z.B. jetzt begonnen, Klavier spielen zu lernen. Faul eventuell im Sinne, mir mehr Zeit für mich zu nehmen.

Warum war die special guests-Rolle auf der Abschiedstournee von B.B. King 2006 der absolute Höhepunkt?

Rumpf: Er war damals und ist überhaupt mein großer Star. Aber inzwischen sind auch andere schöne Erlebnisse hinzugekommen.

Ausweichort für das open air am 10. Juli wird eine Kirche sein. Zwischen Inga Rumpf und der Kirche gibt´s ein hin und her, getauft – ausgetreten – wieder eingetreten. Geblieben ist hauptsächlich der Spruch: „Ich mag die Gebäude, nicht die Institution!“

Rumpf: Genauso ist es, denn ich brauche keinen Zwischenhändler. Aber das kann und sollte jeder für sich ausmachen.

Oder ist´s auch, weil sich Gospel und Blues in sakralen Gebäuden besser anhören?

Rumpf: Sicher gibt´s da eine spirituelle Komponente. Kirchenkonzerte haben eben auch von der Akustik her etwas Besonderes.

Das Musikmagazin „Rolling Stone“ schrieb, Inga Rumpf sei die „beste englischsprachige Rocksängerin Deutschlands“. Warum hat sich Deutsch nicht durchgesetzt?

Rumpf: Die beiden von mir auf Deutsch produzierten Alben wollte damals keiner hören. Außerdem ist unsere Generation mit englischsprachiger Musik aufgewachsen. Dass heute der Trend hingegen zu deutschen Texten geht, finde ich gar nicht verkehrt.

Schon mal mit dem Gedanken einer Abschieds-Tournee gespielt?

Rumpf: Überhaupt nicht, weil Musik mein Lebensmittel und Lebensmittelpunkt ist. Ein Maler hört auch nicht auf zu malen, nur weil er eine bestimmte Altersgrenze erreicht hat.

Bleiben werden auf jeden Fall Konzerte in Hamburg wie im Michel?

Rumpf: Hamburg ist meine Stadt, musikalisch groß und offen. Dort fühle ich mich auch bei Auftritten mit vielen kleineren Ensembles einfach wohl, geborgen, zu Hause. 

Und wie lange noch?

Rumpf: Das kann man, also auch ich, schlecht voraussagen. Die Stimme muss ganz einfach mitspielen, dass man nicht nur achtzig Prozent der Töne trifft.

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Am 13. September 2026, gut einen Monat später als es das Geburtsdatum aussagt, feierte Inga Rumpf im Großen Saal der Elbphilharmonie Hamburg ihren 80. Geburtstag. Zum ausverkauften Jubiläumskonzert „Inga 80“ präsentierte sie einen Querschnitt ihrer außergewöhnlichen musikalischen Karriere. Rock, Soul, Rhythm’n’Blues, Gospel und Jazz u.a. mit Gästen wie Abi Wallenstein, Joja Wendt und Jean-Jacques Kravetz.

Das Konzert wurde live mitgeschnitten und soll Ende 2026 auf CD, Vinyl und digital erhältlich sein.

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