Kanzler Merz & Co und die Bremer Stadtmusikanten

Von Kikeriki, Katzenjammer, Gebell und wahrlich nicht dumme Esel

Zum besseren Verstehen und Erinnern vorab das Märchen in Kurzfassung.

Das eigentliche Volksmärchen beginnt mit einem alten und schwachen Esel, dessen Herr ihn wegschaffen wollte. Das ahnte der Esel. Er lief fort, um in Bremen als Stadtmusikant sein Futter zu verdienen. Auf dem Weg begegnete der Esel einem Jagdhund, der schwer nach Luft schnappte und dessen Herrchen ihn totschlagen wollte. Der Esel meinte: „Komm doch mit!“ Esel und Jagdhund sahen bald eine alte Katze, deren Frauchen sie ersäufen wollte. Der Esel sagt: „Komm doch mit uns nach Bremen und werde Stadtmusikant.“ Zu dritt trafen sie daraufhin einen Hahn, der berichtete: „Die Frau des Hauses will mich morgen in der Suppe essen!“ Der Esel entgegnete: „Du hast eine gute Stimme, wir können zusammen musizieren!“ Das Quartett war somit perfekt. Auf dem Weg nach Bremen finden die vier im Wald ein Haus von Räubern, die an einem gedeckten Tisch sitzen. Vom Hunger getrieben, fingen sie gleichzeitig an, Musik zu machen: Der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte. Danach stürzten sie alle zusammen durch das Fenster in die Hütte. Die Räuber flohen erschrocken in den Wald. Die Tiere blieben im Haus und zogen nicht mehr nach Bremen weiter.

Der Hahn steht also ganz oben. Mit seinem Kikeriki meldet er Ungemach und tritt seine Hühner. Das Melden von Ungemach haben inzwischen unkontrollierbare (un)soziale Netzwerke übernommen. Allerdings gibt es ebenso unqualifiziertes Kikeriki, wenn von ganz oben ertönt: Die Renten sollten zukünftig unabhängig von Inflation jährlich nur noch um feste drei Prozent ansteigen. Oder: Das-vorzeitige-in-Rente-Gehen nach 45 Arbeitsjahren wird abgeschafft. Oder: Zuzahlungen der Krankenkassen in der Grundversorgung wie beim Zahnarzt werden gekürzt. Bleibt noch das Treten. Das erwischt auch schon mal den einen oder anderen Minister. Den einen wegen Unzufriedenheit in der Amtsausübung. Ein anderer geht gleich von selbst wegen Disharmonien zwischen Predigen und Handeln. Also braucht´s neue Hühner. Eins mit Belobigung wegen erfolgreichem sozialen Kahlschlag befördert in eine führende Stellung im Hierarchiesystem. Ein anderes Widerwillens in eine Position, für dessen Eignung eigener Zweifel besteht.

Die Katze steht unterm Hahn und ist berühmt für ihren Katzengejammer. Oje, die Wirtschaft. Oje, die Energie. Oje, der böse Nachbar im Osten. Oje, oje, oje. Nichts mit steuerlicher Entlastung des dieses Land immer noch am Leben erhaltenden Mittelstandes. Weil Lobbyisten das Sagen haben, fehlt jeglicher nachvollzieh- und spürbarer politischer Druck auf die Energieriesen, um die Preise für Industrie und Bevölkerung akzeptabel zu gestalten. Im Nirvana verschwunden ist die bereits seit Ende des I. Weltkrieges immer wieder sinngemäß geäußerte Feststellung: Ein friedliches Europa gibt´s nicht ohne Russland, schon gar nicht gegen Russland! Da bedarf es, ohne der Mitwirkung von Rüstungs-Lobbyisten, einer Aufklärung zwischen verteidigungs- und kriegsbereit und vor allem, was das Volk will.

Der Hund unter der Katze kann schon mal ordentlich zubeißen und natürlich bellen. Da kommt´s auf die Rasse und Funktion an. Soll er fürs gesamte Land, die Gemeinde oder nur den Hof zuständig sein? Was soll, kann, darf er im Ernstfall machen? Zu viele untereinander nicht eindeutig abgestimmte Herrchen machen es dem Hund nicht leichter. Da fliegt irgendwie-was, ein mehrarmiger Mini-Heli, in ein eingezäuntes Gelände und alle schauen gen Himmel. Dabei geht das auch geradewegs vom Zaun aus, möglicherweise sogar vom (un)mittelbaren Anlieger initiiert. Denn der will nicht mehr, dass sein Geld ohne seine Zustimmung verplempert wird, er aber an allen Ecken und Enden sparen soll.

Der Esel steht ganz unten, trägt die ganz Last. Da, in der Spitzenstadt, wo alles begann, er einst sogar weggeschafft werden sollte, dafür damals auch anderswo bereits alles vorbereitet schien, genau da stehen und versammeln sich nun wieder zig „dumme Esel“. Sie werden sofort sortiert in klassisch Graufarbene, aber auch in berüchtigte Couleurs und in üblich verdächtige Ecken geschoben. Hoffentlich begreifen die „Eselhalter“ zeitnah, dass die Esel in Wirklichkeit sehr klug sind und einen eigenen Willen haben. Bedrängt fühlen sich die Esel schon eine geraume Zeit. Nicht, dass sie alle gemeinsam mal austreten!

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