Nicht das Aussehen, sondern die Originalität ist Trumpf
Wie viele Peter-Maffay-Cover- oder Tribute-Bands es in Deutschland gibt, ist nicht belegt. Aber doch so einige. Es gibt sogar zwei mit dem gleichen Namen. Dabei handelt es sich um den im April 1982 als Single ausgekoppelten Titel des Albums „Ich will leben“. Allerdings wird dieser mit unterschiedlicher Schreibweise gehandhabt: „Eyszeit“ und „Eiszeit“. Letzterer soll hier die Aufmerksamkeit gelten. Vielleicht, weil deren Sänger Fredi Seidel, so der Konzertbesucher die Augen schließt, wahrhaftig denkt, das Original steht auf der Bühne. So nah kommt der „Eiszeit“-Frontman der rauen Reibeisen-Baritonstimme des Originals. Anstoß war ein 1990 von Thomas Gottschalk auf der IFA initiierter Gesangswettbewerb, den Seidel mit dem unplugged gesungenen Maffay-Titel „Lieber Gott“ gewann. Seit 1998 tourt der nun 60-Jährige, der sonst als Facility-Manager arbeitet, mit seiner semiprofessionellen Band (alle Mitglieder sind ausgebildete Musiker) durch die deutschen Lande und ist Stammgast u.a. in den Konzertgärten von Kühlungsborn. Dort nahm er sich die Zeit für ein kurzes Gespräch.
Eiszeit wird beschrieben als Deutschlands ultimative Maffay-Coverband, heißt einzigartig, perfekt und höchstmöglich am Original – weil…?
Seidel: … wir kein Double sein wollen, trotz Originalität einen gewissen eigenen Stil, eine individuelle Note in die Stücke versuchen hineinzulegen.
Wie, wann oder wo Fan von Maffay geworden?
Seidel: Meine Mutti hat Maffay rauf und runter gehört. Da war ich etwa vier Jahre alt. (lächelt) Da hat sich eben irgendwie-was im Hirn festgesetzt.
Maffay selbst hat in seiner über 50jährigen Karriere über 50 Alben, darunter mehr als 20 Nummer-1-Alben veröffentlicht. Wie schwer war und ist es, eine Auswahl zu treffen?
Seidel: Schwer, absolut schwer. Eine nicht unbedeutende Rolle spielt dabei das Konzertpublikum und die Erfahrungswerte aus dessen Reaktionen und Wünsche. Hits, die alle kennen, dürfen nicht fehlen. Aber wir kramen auch mal nicht so bekannte Stücke aus.
Wie oft werden welche Titel nach welchen Kriterien neu ins Programm genommen?
Seidel: Es gibt so zwölf Stammtitel. Der Rest kommt wie eben gesagt operativ oder ganz neu hinzu.
Die Band tourt durch ganz Deutschland – warum nur Deutschland?
Seidel: Wir kommen alle aus Berlin. Da sind Hin- und Rückreise oft an einem Tag möglich, als semiprofessionellen Band händelbar. Und ehrlich! Die Fans hier reichen uns vollkommen.
2002 gemeinsam ein Open-Air-Konzert mit Maffay in Ferropolis erlebt – eine Art Ritterschlag?
Seidel: Leider haben wir nicht zusammen oder gar als Vorband auf der Bühne gestanden. Wir hätten ja auch anderen Deutsch-Rock spielen können. Nein, wir haben dem Management von Maffay eine CD von uns geschickt. Daraufhin hat er uns backstage eingeladen und wir haben gut miteinander gequatscht.
Da Maffay Das-große-auf-Tour-Gehen ad acta gelegt hat, ist´s nun ein besonderes Vermächtnis, auf Maffay-Tour zu sein?
Seidel: Glücklicherweise ist er ja nicht ganz abgetaucht, gibt vereinzelt Konzerte bei den „Love Places“-Open-Airs. Ein besonderer Hype ist sein Abschied von den ganz großen Touren für uns nicht.
Einige Cover- oder Tribut-Bands, insbesondere Mr. Rod oder „MARIUZZ“, legen auch Wert auf äußerliche Ähnlichkeit – und Fredi Seidel…
Seidel: (lacht beherzt) Entschuldige! Ich bin erstens etwas größer und arbeite auch nicht mit irgendwelchen Accessoires, um dem Look zu entsprechen. Wenn bei anderen die äußerliche Ähnlichkeit passt, gut. Ich bin allerdings überzeugt, dass die Stimme passen muss. Und das denke ich, kommt bei mir ganz gut hin.
Mit „AUSZEIT – deutsche Rockmusik aus vier Jahrzehnten“ ist die Band auch alternativ mit Titeln von Grönemeyer, Lage, Lindenberg oder Westernhagen unterwegs, weil…
Seidel: Wir hatten uns eigentlich als Deutschrockband gefunden und verstehen uns auch als solche. Neben den genannten anderen Stimmen haben wir in der Band aber alle ein größeres Maffay-Faible.
Heuer sogar mit „AUSZEIT“ mehr oder weniger der Opener der Hanse-Sail Rostock gewesen – das Highlight der Band oder ein Auftritt von vielen?
Seidel: Jain. Wir hatten uns für einen Auftritt bei der Sail beworben, sind gebucht worden und waren plötzlich die Band zur Eröffnung. Das spricht schon irgendwie für uns. Dann vor gut 5000 begeisterten Fans Deutsch-Rock und natürlich viel Maffay zu spielen, war schon toll.
Gab´s eigentlich auch eine Anfrage für die 2024er „Sat1-TV-Tribut-Show“. Und seid ihr eher froh oder traurig, nicht dabei gewesen zu sein?
Seidel: Anfrage: Nein. Traurig: Ja. Letztendlich lautete das Fazit der Band. Wir haben gefehlt!
In Deutschland gibt es bekanntermaßen mehrere Maffay-Tribute- und Coverbands. Genannt sein sollen mal „Eyszeit“ aus Hanau, Maffay-Show-Band aus Eibenstock, MAFFAYpur aus Steinach oder „Peter – Tribute to Maffay“ aus dem nordbayerischen Abendberg. Die Genannten schon mal gehört und einen Vergleich gezogen?
Seidel: Ja und nein. Das habe ich teils vorab bereits beantwortet. Aber grundsätzlich: Konkurrenz belebt das Geschäft
Ist´s eine machbare Idee, mal einige von ihnen auf eine Bühne zu bekommen und gemeinsam einen „Maffay-Abend“ zu spielen?
Seidel: Durchaus! Wenn die Setlists gut miteinander abgestimmt sind, es nur wenige Dopplungen gibt… wow, wir sind dabei!
Danke und bis zur nächsten Eiszeit oder auch Auszeit oder großen, von mehreren Formationen gestalteten Maffay-Tribute- und Coverband-Abend.

