Malle V – Südwesttour 1
Die Südwesttour, wiederum mit Ausgangspunkt Cala Ratjada, ist für eine reine Sightseeing-Tagestour oder mit mehr Zeit vor Ort für mehrere einzelne Ausflüge geeignet.
Vermutlich bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. wurde die Inselgruppe von der Iberischen Halbinsel aus besiedelt. Egal ob Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Byzantiner oder Araber die Inselgruppe in Besitz hatten – Mallorca begeisterte ihre Herren nicht nur wegen ihrer strategischen Lage als wichtiger Stützpunkt. Besonders nach der Entdeckung Amerikas und dem steigenden Interesse am Transatlantikhandel, als die Balearen an Bedeutung verloren, wurden ihre landschaftlichen Reize zu Trümpfen. Ein Blick auf die Landkarte verrät: Die Natur gliedert Mallorca von Nordosten nach Südwesten in drei parallel zueinander verlaufende Regionen. Vom östlichsten Zipfel – dem Cabo Capdepera und dem Torre Embucada – verläuft dieser Ausflug fast diagonal durch die Zentralebene Llanura del Centro nach Sant Elm und dem Torre Cala Basset – der Westspitze Mallorcas, und ermöglicht somit einen Querschnitt durch die Natur der Insel.
Wie immer, um den Tag voll nutzen zu können, beginnt die Fahrt am frühen Morgen. Die aufgehende Sonne peilt den Weg über die MA15 bis nach Palma. Kurz vor Palma zeigt linker Hand reger Lande- und Startverkehr auf dem Flughafen, welche immense Zahl von Touristen im Minutentakt auf der Insel landen bzw. sie wieder verlassen.
Verlassen wird auch die MA15, die in Palma in einem Kreisverkehr endet. Den Kreisverehr auf den Stadtring (MA20) in südlicher Richtung verlassen und nach etwa 550 Meter links die Ausfahrt auf die MA19 nehmen. Dieser folgend mündet sie auf Höhe des Hafens in die MA1, auf der nahezu die komplette Bucht von Palma samt Hafen umfahren wird. Am Ende folgen eine ausgedehnte Rechtskurve und ein Kreisverkehr. Nach diesem gilt es, sich zu entscheiden: Wer im Hinterland bis Antratx zügig vorankommen möchte, bleibt auf der MA1. Wer unmittelbarer an der Küste durch die verschiedenen Badeorte unterwegs sein möchte, der nutzt die Ausfahrt Richtung Cala Major. Die stößt auf die MA1C, auf die rechts abgebogen wird. Dann bleibt es jedem überlassen, von der MA1C einen Abstecher in die entsprechenden Orte oder ans Meer zu machen.
So zum Beispiel nach Illetes – der ideale Ort für alle, die am Meer und Palma-nah, gediegen und ohne Begleiterscheinungen des Massentourismus logieren möchten. Im einst reinen Villenvorort von Palma reiht sich heuer ein Nobelhotel ans andere – 4- und 5-Sterne-Häuser sind hier die Regel.
Vier bis fünf Sterne sind auch in Portals Nous zu vergeben – allerdings auf dem Wasser. Der sonst eigentlich unscheinbare Ort wäre an sich nichts Besonderes. Aber Ende der Achtziger eröffnete hier einer der besten Mittelmeer-Yachthäfen – Puerto Portals. Der Hafen umfasst etwa 700 Liegeplätze. Fast alle Yachten sind absolute Superlative. Der Durchschnittspreis pro Schiff liegt bei 2,5 Millionen Euro, die Spitze liegt sicher sogar über 10 Millionen. Mit etwas Glück ist die Yacht von König Juan Carlos zu sehen, der hier ab und an auch vor Anker geht. Hier trifft sich der Jetset aus ganz Europa. Hier fahren Luxuswagen vor, hier wird gezeigt, was sich sonst noch so hart „erarbeitet“ wurde.
Party auf preislich nicht ganz so hohem Niveau gibt´s in Palma Nova und Magaluf. Sie bieten das, was im Osten der Bucht von Palma der Bereich Playa de Palma und S`Arenal ist. Nur geben hier die Briten, Skandinavier und Holländer den Ton an. Speziell Magaluf befindet sich fest in britischer Hand. Automatenspielhallen, Pubs und Discos drängen sich mit Snackbars für Fish & Chips, Souvenir-Shops und Supermärkten für Duty-Free-Schnaps aller Marken hinter die neue verkehrsberuhigte Strandpromenade. Dafür schneiden die Strände in und um Magaluf (Portals Nous und Portals Vells – eine Bucht mit drei kleinen Stränden, einer von ihnen ist ein FKK-Strand namens El Mago,) im Vergleich mit den östlichen in der Palma-Bucht klar besser ab. Das Umfeld bietet Unterhaltung vielfältiger Art. Vom Marineland mit großem Delfinarium, über den Aqua-Park mit vielen Rutschen, der einzigen Touristentour mit dem U-Boot Nemo und das Spielkasino. Speziell der Vogel- und Freizeitpark Marineland mit seinen Aquarien, Delphinen, Seelöwen und vielen exotischen Vögeln ist nicht nur für Kinder interessant. Die Papageien- sowie die Delphinshow verdienen das Prädikat Weltklasse. Letztendlich zeigt Magaluf aber sehr deutlich, dass es anfangs auf Mallorca nur darum ging, so schnell wie möglich Geld zu verdienen. Der Ort ist wie einige andere auch mit riesigen Hotel- und Apartmentanlagen völlig verbaut.
Richtung Cala Figuera und dem Cap gleichen Namens befindet sich großenteils militärisches Sperrgebiet. Hier finden einsame Wanderer auf kleinerem Terrain, was Mallorca auch anderswo bietet: Leuchttürme, Höhlen, Windmühlen, schroffe Felsen und Wald.
Über Son Ferrer heißt das nächste Ziel Santa Ponsa, von wo aus Jaume I. im Jahr 1229 seinen Siegeszug über die Insel begann. Doch mittlerweile haben auch hier die Architekten gnadenlos zugeschlagen. Das Ortsbild wird von einigen wirklich hässlichen Hochhäusern verschandelt. Entschädigend ist der über 300 Meter langgezogene schöne Sandstrand der Feriensiedlung. Erst recht unter dem Aspekt, dass die Calvia-Küste, beginnend am Cap de Cala Figuera bis Sant Elm, eine der am stärksten eingeschnittenen Uferbereiche von Mallorca ist und aus einer Vielzahl von Riffs, Landspitzen und wirklich kleinen sowie nur wenig größeren Buchten besteht. Ihr gegenüber gibt es wiederum zahlreiche Inseln und Felsformationen, die dem Südsüdwesten der Insel seinen ganz besonderen Reiz geben. Verschiedenste Arten von Seevögeln nutzen den Küstenabschnitt als Nistplatz und zur Aufzucht ihres Nachwuchses.
Etwas gezüchtet erscheint auch Paguera, dass seine Existenz ausschließlich dem Tourismus zu verdanken hat. Kein alter Fischerhafen noch eine historische Plaça lassen auf urisches mallorquinisches Flair schließen. Trotz einiger weniger Hochhäuser vermittelt Paguera Dank jüngster baulicher Maßnahmen einen insgesamt angenehmen Eindruck. Die weit um die Bucht reichende Palmenpromenade sowie weitere Spazier- und Flaniermöglichkeiten zu bzw. in den angrenzenden Orten sind bester Beweis. So werden die Boulevards und der Strand lediglich von Restaurants und einigen Geschäften getrennt. Auch abends bieten Discotheken sowie zahlreiche Bars und Restaurants in Paguera die nötige Unterhaltung. Paguera bietet den Badelustigen drei unterschiedlich große wie ungleich belebte Strände, die mit einer durchgehenden Promenade verbunden sind.
Camp de Mar unterscheidet sich von touristischen Hochburgen durch sein exklusives Ambiente. Es ist, ebenso wie Paguera, kein historisch gewachsener Ort, sondern wurde bewusst als Ferienort angelegt. Allerdings ohne lärmende Beach-Clubs und Diskotheken. Das Ortsbild prägen kleine, schmucke Hotels und exklusive Restaurants. Sein zwischen zwei felsigen Landzungen liegender Strand ist nicht so überlaufen und bietet Ruhe schätzenden Reisenden einen behaglichen Badeurlaub.
Für den Tagesausflügler genau der richtige Zeitpunkt, ein abkühlendes Bad zu genießen, einen Snack zu knabbern oder im Restaurant Illeta, das sich auf einem vorgelagerten Felsen im Meer befindet und über einen langen Steg zu erreichen ist, zu dinieren. Danach geht´s wieder zurück an den Nordostzipfel von Mallorca.


