„Jeder Auftritt ist ein Highlight, bei dem ich 130 Prozent gebe.“
Ein Treffen mit einem „Mann der alten Garde“ aus der DDR-Rockmusik ist meist so, als ob es eine Begegnung schon ewiger Bekannter, gar guter Freunde ist. So auch am 4. Advent in Zwickaus „Neuer Welt“. Lebenslauf und musikalisches Schaffen des Gegenüber sind weitgehend bekannt. Musik macht er seit fast sechzig Jahren. Seine erste Band hieß „Wurzel minus 4“. Er wurde wegen der Teilnahme an einer Protestdemo verhaftet, lernte im Kabelwerk Oberspree, arbeitete auch mal in der Charité, machte Abitur, besuchte die Musikschule, prägte als Frontmann Sound und Charakter mehrerer Bands, wurde bekannt und beliebt mit City und dem Titel „Am Fenster“. Seit 2023, nach der Auflösung von City, sang er neben Julia Neigel in der Band Silly. Nun ist er mit den „KINX vom Prenzlauer Berg“ auf Tour. Sein soziales Engagement wie seine Texte gingen und verweilen bis heute unter der Haut – Toni Krahl.
Nach nunmehr einigen gespielten Konzerten – hat sich die Set-Liste, um den City-Fans gerecht zu werden, verändert?
Krahl: Nein. Ich denke, das sind insgesamt gut ausgesuchte Titel. Ein guter Mix, etwa halbe-halbe, aus City-Titeln und meiner neuen Scheibe „Genauso war´s“.
Wer hat die Auswahl getroffen, was in den Konzerten zu hören ist?
Krahl: Mit den neuen Titeln werden´s im Konzert keine neunzig Minuten. Also sind meine Lieblingstitel von City hinzugekommen, die sowohl als auch vom Publikum großartig angenommen werden.
Die Band heißt, an einen City-Titel angelehnt, „KINX vom Prenzlauer Berg“. Warum nicht „vom Prenzelberg“?
Krahl: (lacht) Prenzelberg! Das sagt kein Berliner. Das sagen nur die Auswärtigen.
Und das X?
Krahl: Um sich vom „übrigen Adel“ abzuheben und im Netz schneller gefunden zu werden.
Die Stimme ist inzwischen ein bisschen sonorer und tiefer geworden. Heißt: Titel mit höheren Oktaven fallen deshalb weg?
Krahl: Na ja, eine Nachtigall war ich ja noch nie. Früher kam ich mit meiner Stimme etwas höher. Aber die Lieder singe ich heute alle noch in der Originaltonlage.
Deine Stimme war gut zwei Jahre bei Silly zu hören. Ein Wort dazu.
Krahl: Ich hatte eine Super-Silly-Zeit. An dieser Stelle nochmal Danke dafür. Aber während dieser Zeit ist so viel Neues, Eigenes entstanden. Und zweimal 130 Prozent geben, geht nicht. Wir sind völlig im Guten auseinander.
Die Konzert-Tournee mit den KINX begann im legendären Tivoli in Freiberg. Warum nicht im Amorsaal?
Krahl: Amorsaal, daran hab´ ich tolle Erinnerungen. Aber den Tourverlauf handeln die Agenturen aus. Von mir aus aber gerne auch wieder im Amorsaal.
Apropos Saal – im April diesen Jahres bereits mit Silly in der „Neuen Wert“ gastiert. Vor lauter Begeisterung wieder diesen Saal gewählt?
Krahl: Wie bereits erwähnt, das ist Sache der Agenturen. Mit City war ich allerdings auch schon hier. Es ist ein sehr sehr schöner Saal. Ich mag es, hier zu spielen.
Als Ur-Berliner auch Riesen-Auftritte im einstigen Palast der Republik gehabt, damals d e r Multifunktionsbau überhaupt. Traurig, dass im Neubau, dem Humboldt-Forum mit historischer Fassade des einstigen Stadtschlosses, die Kultur gänzlich außen vorgelassen ist?
Krahl: Da gibt´s nichts zum Nachweinen. Das war alles zu staatlich, zu sehr unter Beobachtung, mit zu vielen Auflagen verbunden, dort spielen zu dürfen. Und heute? Bitte schön! In Berlin gibt´s doch an jeder Ecke irgendwelche Kultur!
Nochmal zurück zu den KINX. Wie schwer ist bei einem derart großen Musiker-Freundes-Kreis die Auswahl für die jetzt vier KINX-Mitglieder gefallen, oder standen noch andere Schlange?
Krahl: Es gab kein Casting! Für mich war klar, mit wem ich wieder auf die Bühne möchte. Es sind seit Jahren gute Bekannte, Freunde, die alle eine Verbindung zu City hatten und ganz einfach großartige Musiker sind.
Eines der Motive, als wohl „ältester Newcomer“ nochmal zu starten, war: „Ich hatte Sehnsucht nach meinen Liedern!“ Ist diese mittlerweile etwas gestillt?
Krahl: Jain. Ich stehe sehr gern auf der Bühne. Jeder Auftritt ist ein Highlight, bei dem ich 130 Prozent gebe. Also wird diese Sehnsucht immer in gleicher Weise existieren.
Auf der CD ist mit „Abschied“ sozusagen „Dein Lied zum Begräbnis“. Gibt´s bei so viel Voraussicht auch eine Festlegung, wie deine Lieder weiterleben sollen?
Krahl: (schaut überrascht) Weiterleben? Da hab´ ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht. Aber meinetwegen, ja doch! Gerne!
Stichwort weiterleben. Was würde der stets politisch Engagierte als Zeitzeuge den derzeitigen Politikern und jüngeren Generation mit auf den Weg geben?
Krahl: Mal entspannen! Runterkommen! Mal das Große und Ganze im Blick haben, sich um echte böse Probleme kümmern und nicht um irgendwelche Änderungen. Womit haben wir nur diese Regierung verdient?
Noch zwei lokale Fragen. Gastspiel in Zwickau, der Trabantstadt. Selbst einen Trabi gefahren oder ein City-Mitglied?
Krahl: Mein Vater hatte einen 500er, den ich auch fahren durfte. Ich hatte später eine 601er Limousine, mit der ich sogar zu Konzerten in den Westen gefahren bin. Klaus Selmke, unser Drummer, hatte einen 601er Kombi.
Toni Krahl vermisste bei einigen Konzerten „sein“ stilles gekühltes Wasser im persönlichen Catering – hat´s damit in Zwickau geklappt?
Krahl: Hervorragend. Ich fülle das immer in eine Thermoskanne, weil ich zwischen den Liedern mal einen Schluck zu trinken brauch´.
Dann noch viele „königliche“ Konzerte und weitere tiefgreifende Texte.


