Von der einstigen Grenze bis Nähe Rerik
Für den Satz: „Wintersportler werden im Sommer gemacht!“ werden, auch wenn er wahr ist, üblicherweise 5 Euro ins Phrasenschwein gelegt. Dahin gehört auch in gleicher Weise: „Sommerurlaub wird im Winter gebucht!“ Besagten Sommerurlaub nutzen immer mehr, um mit dem Caravan, einem größeren Pkw oder Van ortsungebunden unterwegs zu sein. Dazu bietet die Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern ausreichend Möglichkeiten. Dabei lieben die einen die „Zeltstädte“ und „Campingburgen“ (Zierow, Graal-Müritz, Campingpark Kühlungsborn oder Ostsee-Camping und Ferienpark Markgrafenheide). Andere bevorzugen eher die etwas abgeschiedeneren, ruhigeren Plätze und das „Camping-hopping“. Genau dafür nachfolgend, von West nach Ost, einige ausgesuchte Tipps inclusive Ausflüge zu Backsteingotik, Schlössern und mehr.
Wohnmobilstellplatz Groß Schwansee Strand / Kalkhorst
Groß Schwansee ist ein kleiner ruhiger und idyllischer Ort für naturliebende Ostseeurlauber. Er bietet einen fast naturbelassenen feinsandigen aber im Uferbereich teils kiedeligen Strand und ist bei Kitern und Windsurfern beliebt. Er bietet samt Steilküstenabschnitten, wo FKK möglich ist, auch ausreichend Platz für mehr.
Der unbewachte auf einer Wiese befindliche Stellplatz Parking Groß Schwansee Strand ist für Wohnmobile geeignet. Er läuft unter der Kategorie: keine Infrastruktur wie Strom, Wasser oder Abwasserentsorgung, sondern lediglich gebührenpflichtiger Strand- und Pkw-Parkplatz (Zahlung erfolgt am Parkscheinautomaten) mit mehrmaligen Kontrollen des zuständigen Ordnungsamtes. Toiletten sind vorhanden und rund um die Uhr geöffnet. Duschen allerdings nicht. Zu Fuß ist eine Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs erreichbar.
Groß Schwansee bietet einen Abstecher in den Park und das Schlossgut. Sich schick gemacht, ist ein Abendessen im Schlossrestaurant 1745 ein krönender Tagesabschluss. Der nahe (rd. 2,5 km) gelegene Ort Kalkhorst punktet mit dem das Schloss umliegenden Park sowie dem Familien-Entdeckerpark „minimare“. Mit einer Quiz- und Geschichts-App werden die Gäste durch detailreiche Miniaturbauwerke und Objekte Meck-Pomms geleitet, laden Gärten und spannende Spielstationen für Groß und Klein zum Verweilen ein.
SP SwinGolf Boltenhagen / Café Großklützhöved
Etwa dreißig Minuten Fahrzeit ostwärts wartet im Naturgebiet Großklützhöved ein unspektakulärer und etwas spartanischer Ort mit besonderem Sportspaß. Jedermann kann hier an der Steilküste auf einer 18-Loch-Anlage eine Runde Swingolf riskieren. Es wird mit nur einem einzigen Universal-Schläger mit einem dreiseitigen Kopf (sowohl für weite Schläge, hohe Annäherungsschläge und zum Putten) gespielt. Es bedarf keiner unbedingten Vorkenntnisse oder Club-Mitgliedschaft. Zentrum des Aufenthaltes bildet das Café Großklützhöved mit Terrasse, das täglich frische Kuchen und Torten sowie Kaffeespezialitäten und ein Frühstücksangebot hat.
Der auf leicht unebener Wiese anliegende Parkplatz ist für die Café-Besucher kostenlos. Die 15 vorhandenen Stellflächen mit Wasser- (nur mit Kanister) und einigen Stromanschlüssen für Camping und Caravaning können jedoch für einen kleinen Obolus gemietet werden. Toiletten im Café Großklützhöved sind Tag und Nacht offen. Für Badelustige sind es etwa 400 Meter zu Fuß bis zur Steilküste mit steinigem, teils felsigem Strand aber ausreichend Stellen, ins kühle Nass zu gehen oder ein Sonnenbad zu nehmen.
Vom SwinGolf aus gibt es einige Ausflugsmöglichkeiten wie Schloss Bothmer, die Mühle in Klütz, das Gut Brook oder die Kirchen in Klütz und Boltenhagen. Die Dreiflügelanlage Schloss Bothmer in Klütz, erbaut 1726 bis 1732, ist der größte erhaltene Barockbau Mecklenburg-Vorpommerns mit imposantem Vestibül, Garten- und Festsaal, die alle der Öffentlichkeit zugänglich sind. Ebenso der sich dahinter befindliche Park. Empfehlenswert ist die Annäherung entlang der von Klütz aus über eine Hügelkuppe zum Schloss führenden spalierartigen Lindenallee, einem in Deutschland einzigartigen Gartendenkmal. Schloss und Park befinden sich auf einer rund sieben Hektar großen von einer Graft (Wassergraben) umgebenden Insel.
Von dort lohnt sich noch ein Besuch der Galerieholländermühle auf dem 32 Meter hohen Mühlenberg in Klütz. Auf dem Weg dahin ist ein kurzes Eisenbahnfahrterlebnis auf 600 mm Spurweite und sechs Kilometern Länge samt Museumsbesuch möglich. Die Fahrt mit „De Lütt Kaffeebrenner“ dauert zwanzig Minuten, mit Tempo 20 nochmal vorbei an „Schloss Bothmer“ durch urige Landschaft bis nach Reppenhagen und zurück – das war´s auch schon. Bei Sonnenschein im offenen, bei kühlem Wetter in geschlossenen Wagons.
Unweit vom Markt in Klütz befindet sich die Marienkirche, eine backsteingotische Kirche aus der Zeit des Übergangs von der Romanik zur Gotik. Die dreischiffige Halle ist deutlich größer als die anderer Dorfkirchen des Umlandes. Der Grund: Die Wälder im Klützer Winkel wurden von Kaiser Barbarossa urkundlich der Stadt Lübeck als Holzreserve für den Haus- und Schiffbau zugesagt und brachten so entsprechend Reichtum in die Gemeinde. Kanzel, Altar, Gestühl und Taufstein zeugen aus vergangenen Jahrhunderten.
Nun zurück zum eigentlichen Ziel, der Galerieholländermühle. 1904 erbaut, war sie bis 1972 als Getreidemühle in Betrieb. Sie einen kleinen Hofladen, einen Streichelzoo und einen Spielplatz. Sowohl im Innenraum als auf den Terrassen gibt es ausreichend Möglichkeiten, den Tagesausflug mit einem weiten Panoramablick über die Region kulinarisch bestens ausklingen zu lassen.
Ein weiterer Tagesausflug kann nach Boltenhagen unternommen werden. Klein aber oho präsentiert sich die Kirche zur Paulshöhe bzw. auf dem Kapellenberg, eine unter Denkmalschutz stehende Backsteinkirche. Als Kapelle 1872/73 errichtet, bietet sie im Inneren u.a. ein sehenswertes Altargemälde. Nur wenige Schritte entfernt beginnt die über zwei Kilometer lange hölzerne Dünenpromenade, die mit ununterbrochenem Blick auf die See Richtung östlichen Ortsrand führt. Einige unmittelbar dort befindliche Strandkorbvermieter laden auch zu einer Kaffeepause ein. Ganz am Ende des „Holzstegs“ sind es nur noch wenige Meter zur Weißen Wieck samt kleinem Hafen und mehreren Einkehrmöglichkeiten.
Campingplatz „Ostseecamping Beckerwitzer Strand„
Mit dreißig Meter bis zum naturbelassenen Strand und nur 60 Stellplätzen (davon 50 Dauercamper) trumpft der Platz direkt an der Wohlenberger Wiek bei Hohenkirchen / Ortsteil Beckerwitz. Er verspricht schnörkelloses Campingvergnügen, ohne Chichi, absolute Ruhe und familiäre Atmosphäre. Er bietet moderne Sanitäranlagen mit Warmwasserdusche, Abwaschraum und Waschmaschine sowie einen kleinen Kiosk mit Imbiss und Brötchenservice, WLAN in öffentlichen Bereichen, Stromanschlüsse sowie eine Ver- und Entsorgungsstation. Hier sollte sich entlang des Strandes unterhalb der sanfteren Steilküste ein Plätzchen zum Abschalten und Runterfahren finden. Teils gibt es ebenso Strandkorbverleih, einen ausgewiesenen Hundestrand und einen FKK-Bereich.
Wohnmobilpark „Am Salzhaff“ / Stellplatz Pepelow
Es ist nicht zwingend notwendig, ein Freund des Wind- und Kitesurfens zu sein, um am immer noch als Geheimtipp gehandelten Wohnmobilpark „Am Salzhaff“ Halt zu machen. Wer es sportlich mag, kann allerdings die Angebote der dortigen Kite- und Windsurfschulen sowohl für Anfänger und Fortgeschrittene nutzen. Insgesamt stehen rund 290 Stellplätze zur Verfügung, die sich in zwei räumlich getrennte Areale, einen 26 Parzellen umfassenden touristischen Campingbereich und separate Wohnmobilstellplätze, unterteilen. Ein separater Ver- und Entsorgungsbereich (CamperClean zum automatischen Entleeren und Reinigen der Cassettentoiletten) vor der Schranke sowie Komfort-Sanitäranlagen und Gas-Service sind vorhanden. Zudem ein Shop und eine Fischräucherei. Die etwa zweihundert Meter entfernte Uferzone des Badestrandes ist relativ flach.
Ausflüge von hier lohnen auf die Insel Poel und ans Ostsee-Gutshaus am Salzhaff in Klein-Strömkendorf. In festlichem Ambiente können Gäste, so sie am Vortag reserviert haben, ein Frühstück oder Abendessen genießen. Tagsüber gibt´s eine kleine Speisekarte sowie Kaffee und Kuchen. Insbesondere für Besucher, die einen Rundgang auf dem „Lehrpfad der unholden Personen“ im angrenzenden Waldstück absolviert haben. Nett nachgefragt gibt´s auch eine Führung durch eine Motorradausstellung besonderer Art. Und manchmal, wenn die Chefin das Saxophon auspackt, erklingen auch ganz besondere Töne. Alljährlich gibt´s dort auch das „Treffen der Giganten“ oder andere Motorsport-Events. Mehr zu den Terminen auf der Gutshaus-web-Seite.
Auf der Insel Poel lohnt sich ein Besuch der über 800 Jahre alten Inselkirche in Kirchdorf. Im Sommer laden hier einige Konzerte ein. Aber auch sonst ist der romanisch-gotische Backsteinbau mit seinem 47 Meter hohem Turm samt „Bischofsmützen-Dach“ und Kunstwerken aus acht Jahrhunderten (Hauptaltar, Zeesboot, Kronleuchter, Orgel aus dem Jahr 1704 mit 750 Pfeifen, freigelegte Wandmalereien aus der Zeit der Gotik und des Barocks) mehr als einen kurzen Hingucker wert. Ebenfalls in Kirchdorf wartet das „Gasthaus zur Insel“ mit einigen Besonderheiten in punkto Kulinarik und musikalischen Veranstaltungen auf. In Kaltenhof wartet (nach vorheriger telefonischer Anmeldung) die mit rund 600 bis 800 historischen Exponaten größte Schiffslaternensammlung Europas.
Wer geschichtsinteressiert ist, sollte einen Abstecher nach Neubukow machen, der Geburtsstadt von Heinrich Schliemann, dem Entdecker von Troja, Mykene, Orchomenos und Tiryns. Gezeigt werden im Museum unter anderem Originalfunde aus Troja und Repliken mykenischer Goldfunde. Gleich daneben lohnt auch ein Blick in den eindrucksvollen Backsteinbau der Peter- und Paul-Kirche, die Anfang des 13. Jahrhunderts im Übergang vom romanischen zum gotischen Stil errichtet wurde. Sie zeigt neben Altaraufsatz, Gestühl und Emporen eine originale Kanzelaus Eichenholz (um 1600) und Buntglasfenstermit biblischen Darstellungen.
Etwas weiter, knappe 20 Kilometer, ist´s nach Kröpelin. Dort geht im „Ostrock-Museum“ das Herz der Anhänger auf, die ostdeutsches Musik-Kulturgut kennenlernen oder in dessen Erinnerungen schwelgen wollen. Dazu gehören auch einige live-Veranstaltungen, die dort zu erfahren sind. Nur wenige Schritte entfernt thront die Stadtkirche des Ortes. Auch deren Ursprung liegt Anfang des 13. Jahrhunderts. Der Backsteinbau erfuhr zahlreiche Um- und Anbauten und beherbergt neben bemerkenswerten sakralen Gegenständen u.a. ein Gemälde mit einer ungewöhnlichen Geschichte.
Wer sich länger am Salzhaff aufhält, dem empfiehlt sich noch ein Ausflug nach Rerik. Vielleicht zur Modell-Bootsschau, einer Rundfahrt um die geschichtsträchtige Halbinsel Wustrow oder einem Besuch in der Johanneskirche. Letzteres am besten an einem Montag, wenn eine außergewöhnlich interessante wie abwechslungsreiche Führung angeboten wird. Danach laden zahlreiche Restaurants am und in der unmittelbaren Nähe des Haffplatzes vor allem mit fangfrisch zubereitetem Fisch ein.
!!! Keine Garantie für gemachte Angaben für kommende Saisons.

