Mit Spaß und Freude zum Olympiasieg – Rennrodlerin Julia Taubitz

„Ich bin mit ganzem Herzen Erzgebirgerin und will vorne sitzen“ (oder gar nicht)

Was kann es als hoffnungsvoller Nachwuchssportler Schöneres geben, als bei der Sportgala des Vogtlandes für herausragende Ergebnisse im Sportjahr 2025 von der Sächsischen Sportlerin des Jahres 2025, von Rennrodlerin Julia Taubitz vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal, ausgezeichnet zu werden. Die gebürtige Annaberg-Buchholzerin, Sportsoldatin und Hauptfeldwebel der Bundeswehr-Sportfördergruppe Oberhof, kam vor allem als gefeierte Doppel-Olympiasiegerin (Einzel + Staffel) von Mailand Cortina und prominenter Ehrengast zur Gala nach Markneukirchen. Die mehrfache Weltmeisterin im Einzel, Sprint, Mixed und mit der Teamstaffel sowie sechsfache Gesamt-Weltcup-Siegerin nahm sich abseits des Geschehens auch Zeit für ein Interview.

Seit 2003, also bereits mit 7 auf dem Rodel gesessen, weil …

Julia Taubitz: … mein großer Bruder, der bereits in der Eisrinne unterwegs war, mich dazu animiert hat, wobei mich sofort die Geschwindigkeit absolut begeistert hat.

Mit 18 Jahren 2014 Bronze bei der Junioren-WM in Igls, 2015 ebenfalls in Igls Weltcup-Debüt – das ist vom Alter her im Verhältnis zu anderen Sportarten doch relativ spät?

Julia Taubitz: Laut Reglement hätte ich sogar noch ein Jahr Junioren starten sollen, können. Ich durfte, musste allerdings eher in den Erwachsenenbereich aufrücken.

Startend für den WSC Erzgebirge Oberwiesenthal, trainierend bei der Bundeswehr-Sportfördergruppe Oberhof – wie oft kamen Angebote in die „Gruppe Sonnenschein“ nach Bayern zu wechseln und warum abgelehnt?

Julia Taubitz: Komisch, ganz aus dem Süden kam gar kein Angebot. Die Thüringer wollten mich eher haben. Aber ich bin mit ganzem Herzen Erzgebirgerin und starte deshalb für einen Verein aus meiner Region.

Inzwischen sozusagen längst „Profi-Rodlerin“ – gibt´s schon Gedanken an später und einen Beruf?

Julia Taubitz: Derzeit studiere ich Sport-Business und -Management und würde nach meiner Rodelkarriere auch gern im Bereich Sport arbeiten.

In der Saison 2019/20 traf es den deutschen Damen-Rodelsport hart: Rücktritt von Tatjana Hüfner, Schwangerschaften von Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger. Plötzlich hieß es: Julia Taubitz ist unsere Nummer 1. War das damals eher Bürde, Verpflichtung oder Ehre?

Julia Taubitz: Um noch jüngere als ich es war ganz nach vorn in die Weltspitze heranzubringen, stellte sich als schwierig heraus. Also wurde ich ins kalte Wasser geworfen. Es war sowohl ein Mix aus zu tragender Last, Verpflichtung und Ehre.

Dein Motto heißt, immer mit einem Lächeln an den Startblock zu gehen, was auch unterm Visier deutlich zu erkennen ist. Das gilt erst oder besonders seit dem Missgeschick von Peking?

Julia Taubitz: Daran hab´ ich ernsthaft mit meinem Mentaltrainer gearbeitet. Ich habe verinnerlicht, dass ich im Grunde genommen Spaß und Freude daran habe, was ich da mache, sogar richtig Bock darauf habe. In Cortina war´s noch schöner: Mit Startnummer 1 auf eine frischgelackte Bahn, die mir in allen vorherigen Läufen lag, zu gehen… Ich war voll fokussiert, habe tief in mir reflektiert, warum ich rodle.

Seit der Rennrodel-WM 2022 wird auch der weibliche Doppelsitzer ausgetragen – „endlich!“. Wäre das evtl. eine Alternative nach dem Einzel oder gar an die Lenkseile eines Bobs zu gehen?

Julia Taubitz: Beides habe ich bereits ausgeschlossen. Im Doppel wäre ich dann Hinterfrau. Das ginge gar nicht. Ich will vorne sitzen, quasi oben, will die Kontrolle haben.

Bei jedem Sport in der Eisrinne kommt die Sprache aufs Material, der sogenannten „Material-Schlacht“. Jeder friemelt und feilt, hütet Geheimnisse. Wäre es besser oder auch fairer, einheitliche Sportgeräte wie in der Leichtathletik zu haben?

Julia Taubitz: Das würde diesen Sport regelrecht kastrieren. Rennrodeln und Bob sind vergleichsweise die „Winter-Formel-1“ im Eiskanal! Das sagt glaube ich alles. Es gibt allerdings in dieser Hinsicht schon einige Regelungen, die es ermöglichen, Kufen problemlos untereinander tauschen zu können.

Welcher Titel lief eigentlich vor den oder dem letzten Lauf von Cortina in deinen Kopfhörern. War oder wird das der neue „Erfolgstitel“?

Julia Taubitz: Ich hatte schon immer ein „Saisonlied“, auch in Cortina. Und ja, es könnte auch in der kommenden Saison sowohl der Beruhigungs- und Motivationssong werden – wird aber nicht verraten. Nur eins: Es ist kein Schlager!

Sind die übernächsten Ziele wie die Rennrodel-WM 2028, eventuell sogar in Oberhof, und Olympia 2030 in den französischen Alpen mit Titelverteidigungen bereits im Plan?

Julia Taubitz: Mich würde es sehr freuen, wenn die WM 2028 auf der Bahn in Königssee ausgetragen wird. Die Bahn dort ist, neben der Bahn meines Herzens in Altenberg, meine Lieblingsbahn. 2030 lassen wir mal zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Ein TV-Reporter sagte bei Olympia: „Gut, dass es die Bahn in Altenberg gibt. Die ist die Grundlage für die Erfolge hier.“ Was könnte er damit gemeint haben. Und spielt dabei vielleicht auch die Nähe zur Plasterodelbahn in Zwickau eine Rolle?

Julia Taubitz: Altenberg zählt zweifelsohne zu den schwierigsten Bahnen der Welt. Wer die beherrscht, hat super Grundlagen, auch auf anderen Bahnen zurecht zu kommen. Und selbstverständlich spielt die Nähe zur Zwickauer Plasterodelbahn, die übrigens auch von Thüringern gern und viel fürs Training genutzt wird, eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Ein weiterer TV-Reporter meinte nach dem Olympiasieg: Julia wird wohl ihren Namen ändern müssen und heißt fortan Jubel Taubitz. Welche Strategie gibt es, den Druck der nun endgültig und stets Gejagten abbauen zu können?

Julia Taubitz: (lacht) Meinetwegen können mich die Reporter auch Jubel-Taubitz nennen. Ich fühle mich nicht als Gejagte. Wie schon erwähnt: Ich weiß, warum ich rodle. Weil es mir Spaß und Freude macht, was ich mit einem breiten Lächeln genieße.

Der Winter ist drauf und dran, ade zu sagen – die KTM 890 SMT ruft. Ist das mit Blick auf die Straßen-Trainingsunfälle, unter anderen von Kristina Vogel oder jüngst des spanischen Jungprofis Jaume Guardeno, ein mehr als gewagtes Risiko?

Julia Taubitz: Ich bin ja nicht wie ein Agostini oder Rossi unterwegs. Vor Olympia stand das Maschinchen sogar nur in der Garage. Ich fahre, um relativ flexibel unterwegs sein zu können, die Natur außerhalb der Eisrinnen zu genießen. (lacht) Auf absolut sicheren Passagen auch mal etwas zügig.

Nach zig Ehrungen und Terminen auch im TV. Ist denn eigentlich das versprochene Kartenspiel von „Wer weiß denn sowas“ schon angekommen?

Julia Taubitz: Nein. Das wollte ich eigentlich mit in den Urlaub nehmen.

Wann geht´s denn endlich in den wohlverdienten Urlaub und, der Neugier sei verziehen, wohin und auch mit Laufschuhen?

Julia Taubitz: Demnächst ein paar Tage auf eine griechische Insel und später nochmal nach Italien Campen. Und ja, die Laufschuhe sind immer dabei und werden auch rege genutzt.

Dann gute Erholung, eine verletzungsfreie Vorbereitung auf die kommende Saison, in der es ebenso viele schöne Erfolge zu feiern gibt.

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