Mehrfache Masters-Games-Weltmeisterin – Eisschnellläuferin Ute Zillmann

In Mylau wurde und wird mit viel persönlichen Engagements gearbeitet

Zu den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck vertrat die inzwischen 70jährige Reichenbacherin die Farben der DDR auf dem Eis-Oval. Aufs Treppchen hat´s damals nicht gereicht. Heute sammelt sie dagegen Titel um Titel. Seit 1996 steht sie regelmäßig auf dem Treppchen bei den International Masters-Games, den Seniorenweltmeisterschaften. Dort kann sie auf rund fünfzig Weltmeistertitel oder Podestplätze verweisen. Noch vor wenigen Jahren stand sie selbst zur Wahl als Sportlerin des Vogtlandes. Eingeladen als Ehrengast von der Kramer-Sport-Marketing-Agentur zeichnete sie nun zur Vogtland-Sport-Gala 2026 die Sportlerinnen des Jahres 2025 aus – Dr. Ute Zillmann, vielen auch noch unter ihrem Mädchennamen Dix bekannt.

Wie ist´s, den Platz auf dem Wahlzettel mit der Rolle des Ehrengastes zu tauschen?

Ute Zillmann: Dieser Wechsel ist ganz okay. Nun als Ehrengast dabei sein zu dürfen… wie es das Wort ja schon sagt: Es ist mir eine Ehre.

Mit 22 Jahren kam 1977 als aussichtsreiche Sportlerin das „verordnete“ Aus, flogen die Schlittschuhe erst mal in die Ecke. Wie froh, doch wieder aufs Eis zurückgekehrt zu sein und wer oder was gab den Ausschlag?

Ute Zillmann: Der Kontakt zu den Mylauer Eisschnellläufern ist nie abgerissen. Dann haben sich meine Kinder für diesen Sport begeistert. Na ja, daraufhin hab´ ich meine Kufen wieder ausgemottet und bin zurück aufs Eis.

Nach genanntem Karriereende Medizin studiert und sich warum für Allgemeinmedizin entschieden?

Ute Zillmann: Ich wollte nach dem Studium Kreissportarzt werden. Diese Funktion fiel allerdings im Zuge der Wende weg. Also blieb praktische Ärztin als Lösung.

Seit Januar 2022 Ärztin im Ruhestand. Wie oft wird noch um Rat gefragt?

Ute Zillmann: Hin und wieder im absolut privaten Bereich, von Freunden oder Sportskollegen.

Seit dem 10. Lebensjahr Sport getrieben. Zuerst Handball dann erst Eisschnelllauf. Wie kam´s zum Wechsel und immer noch Handball-affin?

Ute Zillmann: Handball und Eisschnelllauf liefen lange Zeit parallel. Dann haben meine Eltern auf eine Entscheidung gedrängt. Und da meine Freizeittruppe sommers wie winters das Freibad als Mittelpunkt hatte, fiel die Entscheidung nicht schwer. Große Handball-Ereignisse schau ich natürlich noch im TV.

Eigentlich traurig, dass aus der „2. Eislauf-Generation Zillmann“ (Kinder Karoline, Stefanie und Benjamin) nichts wurde, obwohl die beiden Mädchen im Nachwuchs sogar Deutsche Meisterinnen wurden?

Ute Zillmann: Stimmt. Die waren wirklich richtig gut. Karo hat sogar Weltcup-Läufe absolviert. Und nein, traurig bin ich nicht. Es waren jeweils ihre Entscheidungen.

Warum nicht jetzt als Trainerin mit medizinischem Hintergrund aktiv?

Ute Zillmann: Das mit dem anderen etwas erklären war nie mein Ding. Gelegentlich gebe ich, wenn´s gewünscht wird, schon aus meiner Erfahrung heraus den einen oder anderen Tipp.

Wenn auch kein Traineramt inne – Gibt´s einen Rat an Lea-Sophie Scholz, die Mylauer Mittelstrecklerin und Olympia-Starterin von Mailand Cortina?

Ute Zillmann: Nein. Diesbezüglich ist sie bei ihrem Trainerteam in guten Händen.

Sind die 3000m immer noch die „Zillmann-Lieblings-Disziplin“ und warum?

Ute Zillmann: Da geht´s nicht ganz so schnell zur Sache, ist etwas länger, aber auch nicht zu lang.

Warum kann der TSV Vorwärts Mylau über Jahrzehnte hinweg als Talenteschmiede betrachtet werden?

Ute Zillmann: In Mylau wurde und wird mit viel persönlichen Engagements die Tradition stets weitergeführt. Und das, obwohl wir keine entsprechenden Trainingsmöglichkeiten, also keine eigene Eisbahn, haben. Die Athleten müssen daher viel reisen, zum Training, zu Wettkämpfen, was enorm viel kostet. Nur gut, dass die finanziellen Aufwendungen für diesen Sport an sich nicht so hoch sind. Dafür wird eben gegenseitig geholfen.

Inzwischen mehrfache Seniorenweltmeisterin und seit ´96 regelmäßig auf dem Stockerl. Was geben diese Erfolge persönlich?

Ute Zillmann: Es hält mich fit und ist förderlich, weiterhin gesund zu bleiben. Zudem ist´s ein duftes Verhältnis zu den anderen Sportlerinnen und Sportler. Und ehrlich: Immer noch zu den Besten seiner Altersklasse zu zählen… das hat schon was.

Eisschnelllaufen ist wie Radfahren, das bekanntlich nicht verlernt wird und „im Alter“ nun gut ist, dass sich technische und materielle Eckpunkte kaum verändert haben?

Ute Zillmann: In diesen Altersklassen gibt´s keine Materialschlacht. Das Material ist da nicht primär, eher der Spaß an der Freude.

Der Großteil der Erfolge wurde ohne heimisches Publikum errungen. Wo und wann kann Ute Zillmann demnächst auf „heimischem“ Oval erlebt werden?

Ute Zillmann: Das wäre natürlich schön, mit Fanunterstützung an der Bande zu laufen. Wer möchte, gerne! Einfach in den Master Games-Wettkampfkalender schauen und nach Erfurt, Berlin oder Inzell kommen. Ich freu´ mich.

Nun gab´s zur Sportgala sicher tolle Begegnungen mit Julia Taubitz oder Jens Weißflog. Ein Rendezvous-Wunsch bestand mal mit Hape Kerkeling. Ist der inzwischen gelungen oder inzwischen ähnliches „Gleichwertiges“ erlebt?

Ute Zillmann: Ja, es gab wie heute bislang viele interessante Begegnungen. Die mit Hape gab´s noch nicht und steht nach wie vor auf meiner Agenda.

Bleibt, ein Dankeschön zu sagen und der Wunsch für die anstehenden Wettkämpfe, gut ums Oval und erneut aufs Podium zu kommen.

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