Ein halbes Leben mit Udo Jürgens – Pepe Lienhard

Foto: Marc Vorwerk da capo Udo Jürgens

„Immer noch geht ein Ruck durch Herz und Seele.“

Wenn die Rede von Big-Bands und ihren zu Ikonen gewordenen Frontmännern ist, fallen Namen wie Duke Ellington, Count Basie, Glenn Miller, Benny Goodman oder James Last, Max Greger und Hugo Strasser. Doch in diese Reihe gehört zweifelsohne ein weiterer Name. Dessen Liebe galt in früher Jugend längst dem elegant swingenden, schmetternden, jazzigen Sound von Big-Bands. Bereits als Schüler gründete er eine Band namens „The College-Stompers“. Später räumte er „seiner“ Musik den Vorrang gegenüber einem Jura-Studium ein und gründete ein Profi-Sextett. Für die Schweiz holte er 1977 beim Concours Eurovision de la Chanson, dem heutigen ESC, mit dem Lied „Swiss Lady“ Platz sechs. Längst füllt der in Lenzburg Geborene große Hallen, tritt bei Galas und Events auf, begleitete unter anderen mit seinem Orchester Sammy Davis Junior und Frank Sinatra. Gute vier Jahrzehnte, fast ein halbes Leben, stand der Musiker und Arrangeur als musikalischer Weggefährte an der Seite von Udo Jürgens. Mit „Da Capo Udo Jürgens“ präsentiert er seit 2024 in einer spektakulären Umsetzung ein musikalisches Best Off dieses absoluten Ausnahmekünstlers – Pepe Lienhard. Vor dem Konzert in Zwickau hatte er Zeit für ein Telefon-Interview.

1977 ging es erstmals mit Udo Jürgens gemeinsam auf Tournee durch Kanada und die USA.  War es damals gleich „Liebe auf den ersten Blick“, besser gesagt ersten Gig?

Lienhard: Das war damals noch ganz bescheiden mit Wohnmobil, also alles ziemlich eng. Und wenn´s da zwischen den Musikern funktioniert, dann ist´s eine gute Grundlage. Und wie´s sich gezeigt hat, hat´s verdammt lange gehalten.

Irgendwann ja auch mit Sammy Davis jr. und Frank Sinatra auf einer Bühne gestanden und es sind noch viele weitere große Künstler dazugekommen. Aber ständiges Begleitorchester, 37 Jahre lang, auf all seinen Tourneen, wurde das Pepe-Lienhard-Orchester von Udo Jürgens. Diesen Entschluss jemals bereut oder war damals bereits abzusehen: Das wird eine große Sache?

Lienhard: Zweimal ein klares Nein! Der große Erfolg, die Europa-Tourneen, kam ja erst mit der Zeit. Da war ich zwischendurch auch noch mit Ute Lemper international unterwegs.

Welcher der unvergessenen Jürgens-Hits ist der Lieblings-Titel?

Lienhard: Ganz klar „If I Never Sing Another Song“. Es war die B-Seite seines Hits „Ein ehrenwertes Haus“, hatte einige Zeit in der Schublade von Frank Sinatra gelegen, bis Sammy Davis jr. ihn als Zugabe-Song nutzte. Udo hat ihn nochmal umgetextet und es entstand „Gäb es nur dies eine Lied für mich“.

Wie viele Emotionen sind bei den „Da capo“-Konzerten im Spiel und wie schwer ist es, diese stets im Griff zu haben?

Lienhard: Oh ja, das ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Besonders bei den ersten Konzerten war´s hart. Immer noch geht dabei ein Ruck durch Herz und Seele. Und ehrlich: Manchmal muss ich mir die eine oder andere Träne verdrücken, weil wir uns ja auch persönlich sehr nahestanden.

Aus den Originalaufnahmen der letzten Udo-Jürgens-Konzerte wurde mit viel Aufwand seine Stimme digital herausgefiltert. Wie schwer ist es, das Orchester punktgenau einsetzen zu lassen?

Lienhard: Das bedurfte einer langen und intensiven Vorbereitung. Da mussten mühevoll einige Spuren extrahiert werden. Während des Konzerts haben alle Musiker einen sogenannten Click-Track im Ohr, einen Takteinzähler, und wissen so genau, wann sie loslegen müssen.

Wer hat für das musikalische Best Off die Titelauswahl getroffen?

Lienhard: Die Setlist haben das Kreativ-Team und ich zusammengestellt, basierend auch auf dem vorhandenen Bildmaterial. Von John und Jenny Jürgens, Udos Kindern, kam das bisher unentdeckte Lied „Als ich fortging“, das nun neu arrangiert auch Teil des Konzerts ist.

Die „Da Capo Udo Jürgens“-Show startete im Herbst 2024 – extra ausgesucht anlässlich des 90. Geburtstages und zehnten Todestages von Udo?

Lienhard: Ja, so kann das eingestuft werden. Es war ein zeitlich guter Abstand und die Pietät ist gewahrt worden. Es war der richtige Zeitpunkt, ihn mit dieser aufwendigen Produktion zu ehren.

Und es galt zudem, die entsprechenden Musiker zu finden?
Lienhard: Keinesfalls. Alle Musiker, die 2014 im Orchester saßen, haben sofort zugestimmt, dabei sein zu wollen.

Die Tournee wird aufgrund ihres Erfolgs 2026 fortgesetzt. Dann wird Pepe Lienhard im März 80. Gibt´s einen Plan, wie lange es ihn und sein Orchester noch zu erleben geben wird?

Lienhard: So lange das Publikum kommt, mich und meine Big-Band hören möchte… Darum ist mein Wunsch, noch lange gesund zu bleiben, um Musik machen zu können, so lange es geht. Und meinen Geburtstag feiere ich mit einer entsprechenden Tour durch die Schweiz im Mai nach.

Eine runde Zahl gab´s auch 2025 zu feiern: 45 Jahre Pepe-Lienhard-Orchester. Wie wurde das gefeiert?

Lienhard: Gar nicht. Das passiert alles mit der eben erwähnten Geburtstags-Tour.

Nun mal etwas tiefer in der Vergangenheit gegraben: Warum doch lieber Musik gemacht, als Jura zu Ende studiert?

Lienhard: Na ja, immerhin habe ich vier Semester mit allen Testaten absolviert und gemeistert. Nebenbei hab´ ich aber immer Musik gemacht, war nicht ganz so oft an der Uni, wie´s vielleicht nötig gewesen wäre. (lacht) Und dann war das Jura-Studium eher, um dem Vater einen Gefallen zu tun. Den konnte ich glücklicherweise mehr und mehr davon überzeugen, dass Musik mein Ding ist.

Von 1995 bis 2011 außerdem die Swiss-Army-Big-Band geleitet. Selbst gedient und welchen Bezug zur diskutierten Wehrpflicht in Deutschland?

Lienhard: Zu Teil eins der Frage: Ich habe gedient und die Leitung der Swiss-Army-Big-Band war eine tolle Erfahrung und eine sehr schöne Erinnerung. Zu Teil zwo: In der Schweiz gilt: Wer kann, der muss! Wie das anderswo gehabt wird, ist jedem Land seine eigene Sache.

Udo Jürgens war immer auch politisch, philosophisch, gnadenlos schonungslos…, nahm nie ein Blatt vor den Mund. Was würde er zu der heutigen Weltlage sagen?

Lienhard: Er wäre sehr sehr besorgt und hätte einhundert pro einen Text dazu geschrieben. Denn sein Anspruch war stets: Unterhaltung ist auch Haltung!

Passend zum Ende des Interviews: Wer hat jetzt eigentlich am Konzert-Ende den bzw. einen weißen Bademantel an?

Lienhard: (lacht) Tolle Frage! Ich mäße mir das nicht an. Der Bademantel spielt am Konzert-Ende eine angemessene Rolle. Welche? Ins Konzert kommen!

Bleibt an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön, weiterhin viel Erfolg mit den „Da Capo Udo Jürgens“-Konzerten und bei der Geburtstags-Tour durch die Schweiz.

Impressionen vom Konzert in Zwickau unter zwickau2000

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