Gratwanderung zwischen Dienstpflicht, Warmduschern und Deserteuren

„Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen“, sagte Bundeskanzler Merz in seiner Regierungserklärung am 14. Mai 2025. Und da hinein kommt der Streit: Wehrpflicht per Losverfahren oder freiwilliger Dienst in der Bundeswehr. Müßig, darüber nachzudenken, ob das Aussetzen der Wehrpflicht im Juli 2011 – wohlgemerkt aus finanziellen Gründen – in Anbetracht des verteidigen Könnens ohne zu müssen sinnvoll war. So hat die Betrachtung des gegenwärtigen Hickhacks, wie die Bundeswehr auf ihre Personalstärke kommen soll, mehrere Sichtweisen.

Zunächst mal aus rein persönlicher Sicht. Noch keinem Rekruten hat es geschadet, während des Armeedienstes Sachen wie Pünktlichkeit, Ordnung, Achtung, Disziplin, Kameradschaft und Kollektivgeist beigebracht zu bekommen. Eigenschaften, die jeden jungen Mann (oder auch jungen Frau) später im Alltag allumfänglich gut zu Gesicht stehen.

Hinzu kommt die gesellschaftliche Komponente. In einem Notfall, der nicht gleichbedeutend Krieg heißt, gibt es einen Bestand an ausgebildeten Leuten, die im Ernstfall fachgerecht eingesetzt werden können.

Nicht unerwähnt ist die Bedeutung einer gewissen Abschreckung / Achtung vor einem stehenden top ausgebildeten Heer.

Stellt sich also die Frage: Wie kann das alles umgesetzt werden?

Eine Herangehendweise wäre folgende:

Jeder Bürger wird einer Musterung / Bestandsaufnahme unterzogen. In jedem Ort gibt es eine Sporthalle. An verschiedenen Wochenenden werden dort alle 18- bis 35-Jährigen (ausgehend von den letzten Musterungsjahrgängen) einbestellt. Es erfolgt eine wie früher übliche ärztliche Untersuchung. Danach absolviert jeder unter kritischen Blicken von Athletiktrainern (um den Simulanten, Müßiggängern und Warmduschern gleich auf die Schliche zu kommen) einen Parcours mit zum Beispiel Klimmziehen, Liegestütz, 3er-Hopp, Hockstecksprüngen… Neben körperlicher Verfassung werden zudem grundlegende Daten wie Bildungsstand erfasst.

Den betreffenden Personen wird dann zur Wahl gestellt, mindestens sechs Monate (oder ein Jahr bei entsprechend besserer Bezahlung) zum Seenotrettungsdienst, zur Feuerwehr, zum THW, in den Pflegedienst, in betreutes Wohnen… zu gehen oder ein „Haushalts-Landjahr“ zu absolvieren, dabei zum Beispiel Kochen zu lernen oder einen Nagel gerade einschlagen zu können. Studenten können dies vor Antritt des Studiums absolvieren, während der Sommersemesterferien oder auch, bei entsprechend besserer Besoldung, ein Semester lang.

Alles Eckpunkte der sogenannten zivilen Verteidigung, der – was zu überdenken sich lohnen sollte – ein gewisses Maß an militärischer Grundausbildung sicherlich nicht schaden würde. Nicht, dass sich im Ernstfall der militärischen Verteidigung junge Buschen ins eigene Knie schießen oder gar ihren Kumpel über den Haufen.

Das Letzte, was das Land und erst recht nicht die Bundeswehr braucht, ist ein Losverfahren, ähnlich einer Tombola auf dem Rummel. Also eine „Pechvogel-Armee“. Denn es befinden sich sowohl Neonazis, Verschwörungstheoretiker, streng Konfessionsgebundene, gesundheitlich stark Eingeschränkte, adipöse „Michelin-Männchen“ und und und in der Lostrommel. Genau diese Pechvögel der Lotterie sind letztlich die Nieten, die weder die Bundeswehr noch vorab aufgezählte Dienste und Einrichtungen brauchen können!

Und warum sträubt sich die Bundesregierung gegen eine Wehrpflicht? Da kommt ebenfalls ein Satz von Merz aus seiner Regierungserklärung vom 14. Mai 2025 ins Spiel: „Wir unterstützen weiterhin kraftvoll die angegriffene Ukraine.“ Die Bundesrepublik kann nicht im eigenen Land eine Pflicht zum Dienst an der Waffe oder bei anderen Einrichtungen zum Gesetz machen, wenn zugleich über 120.000 Soldaten aus der Ukrainischen Armee desertiert, vor der Einberufung geflohen sind und keinem unbedeutenden Teil davon wissentlich vom deutschen Staat und seiner Regierung hierzulande Unterschlupf gewährt wird (siehe „Flüchtlinge oder Deserteure“). Das ist die Gratwanderung, mit der die Regierung kämpft. Denn zweierlei Maß tut der Demokratie nicht gut!

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