Die sechs neuen Saiten des Reinhold Beckmann

Vom erfolgreichen „Fernsehfuzzi“ auf die live-Konzert-Bühne

Er ist 56er Jahrgang, kommt aus Niedersachsen, war Fernsehmoderator, Fußballkommentator, TV-Journalist, nun Autor und Musiker. Nach dem Abitur lernte er Radio-, Fernseh- und Videotechniker und studierte anschließend Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Köln.

Er gehörte im Oktober 1983 zu dem Fernsehteam, das Udo Lindenberg zu seinem Konzert im Palast der Republik begleitete, wurde vom Kicker-Sportmagazin als „bester Moderator des Jahres 1990“ für die Reportagen der Fußball-WM ausgezeichnet. Ihm zu verdanken sind die Sportsendungen „ran“ und „ranissimo“, die er konzipierte und moderierte. Seit Januar 2018 sitzt er als Experte bei der Sport1-Fußball-Talkshow „Doppelpass“. Zwischen 1999 und 2014 hatte er in der ARD sogar seine eigene Talksendung – und nun macht er seit 2014 Musik, ist Singer/Songwriter mit Herzblut und feinem Gespür, tritt im Duo oder mit Viermannband auf, begeistert sowohl mit gefühlvollen Balladen wie mit kraftvollen, fast rockigen Nummern – Reinhold Beckmann.

Zum Fußball und der Musik stellte er sich einigen Fragen.

Wie und wann zum Gitarre spielen gekommen und wann das Talent zum Texten entdeckt?

Beckmann: Gitarre gespielt habe ich eigentlich schon immer. Angefangen als Gymnasiast im Duo oder in Trios, vorwiegend in Kirchen, Klassik. Das war aber nicht wirklich mein Ding. 2013 war ich dann in Ina Müllers TV-Show zu Gast, hab´ dabei mit den Bandmitgliedern bisschen „rumgezupft“, was sie ganz gut fanden. Das gab mir den Kick, wieder intensiver zur Gitarre zu greifen, Musik zu machen und auch eigene Texte dazu zu schreiben.

Reinhold Beckmann startete also mit damals 58 noch eine Sänger-Karriere?

Beckmann: Ich hab´s schon tönen gehört: Nun macht der olle Fernsehfuzzi auch noch Musik! Und ja, das war mit egal. Was man machen will, sollte man konzentriert verfolgen und einfach mal machen! Erst recht, wenn man sich wie Bolle freut, live spielen zu dürfen.

Klingt nach bisschen die Nase voll vom Fernsehen?

Beckmann: Kann ich so nicht sagen. Mache ja auch noch einige Dokus, bin bei Doppelpass dabei. Aber 16 Jahre Talkshow, gute dreißig Jahre Fußball… alles hat seine Zeit. Es war toll. Ich bin dankbar, dass ich das so lange machen durfte.

Da muss aus der Erfahrung heraus im Nachhinein der Rat erfolgen, welche Frage ein Sportreporter nicht stellen sollte?

Beckmann: Wie haben sie sich dabei gefühlt? Ihre erste Selbsteinschätzung? In den 70er und 80er an der Tagesordnung. Dann Gott sei Dank in der Versenkung verschwunden und heute leider wieder en vogue. Ich frag´ mich manchmal, was wird den jungen Leuten gelernt?

Was vermissen sie demzufolge bei den Reportern und Journalisten?

Beckmann: Einfache Fragestellungen, ohne in der Frage schon eine (gewünschte) Antwort vorzugeben. Einfach nur wie oder warum?

Als, Entschuldigung „Fußballfuzzi“, hält Beckmann was von den gelben Karten für Trainer?

Beckmann: Emotionen gehören beim Fußball dazu. Auf dem Spielfeld, am Rand, auf den Rängen, zu Hause auf dem Sofa. Er lebt davon! Neuerdings sehe ich allerdings eine Gelbe-Karten-Flut, die viel, teils unnötigen Diskussionsstoff bietet. Aber: Der Fußball lebt ebenso vom „Klugschwätzen“, was ich ja zum Teil beim „Doppelpass“ mache. Lass die Trainer doch am Spielfeldrand schwätzen so lange es nicht in persönliche Beleidigungen ausartet.

Wie weit kommt Deutschland bei den nächsten großen Fußball-Ereignissen?

Beckmann: Es geht erst mal darum, Selbstgefälligkeit nicht einschleichen zu lassen, sie unbedingt abzulegen. Es muss bei allen die Lust erkennbar sein, für das Nationalteam auflaufen zu dürfen und es unbedingt auch zu wollen. Dabei muss Leistung und Form eine Rolle spielen, Taktikvariabilität… Gute Spieler haben wir genügend, so dass wir immer vorn mitspielen können.

Zurück zur Musik – wann wird´s ein Fußballlied von Beckmann geben – vielleicht als Werder-Fan für Bremen?

Beckmann: Die meisten Stadionlieder sind bestellt. Sowas interessiert mich nicht. Man müsste eins entwickeln, das in sich einen eigenen Geist des Fußballspielens verkörpert.

Abschließend nochmal Musik – Bisher gibt´s zwei Alben. Das nächste…

Beckmann: … ist in Arbeit und ist für 2021 geplant. Und natürlich eine ganze Reihe von live-Auftritten in solch gemütlichen Locations wie der Kulturkirche St. Barbara in Lichtentanne.

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