Bisher 60 Jahre ein Leben für den Boxsport – Frank Hillmer

Imposante Zahlen, die mit 48 Dienstjahren nicht erfasst sind

Wird in Deutschland über Boxen gesprochen, fallen Namen wie Schulz, Rocchigiani, Brähmer,Ottke oder Maske. Beim Blick in die Ringecke werden Trainer wie Wolke, Wegner, Sdunek oder Schmitz genannt. Das betrifft den Profi-Bereich. Im Amateur-Sektor, insbesondere in den Altersklassen zwischen Kadetten und Junioren, ist einer seit fast einem halben Jahrhundert (Ende 2026 gute 48 Jahre) nicht wegzudenken – Frank Hillmer vom KSSV (Kraft- und Spielsportverein) Zwickau. Der heute 68-Jährige ist statistisch gesehen wohl der an Dienstjahren älteste Boxtrainer im Amateurbereich in Deutschland. Er gab Auskunft über sein Leben mit und für den Boxsport.

Wann und wie sich fürs Boxen entschieden?

Hillmer: Mein Vater, selbst bis 1957 aktiv, hat mich immer zum Training und später, als er Übungsleiter bei der damaligen BSG Motor Zwickau war, zu den Boxwettkämpfen mitgenommen. Da stand für mich, auch ohne Zutun meines Vaters, fest: Ich will Boxer werden.

Da standen nie andere Sportarten zur Debatte?

Hillmer: Aktiv nicht. Aber in den Schulmannschaften hab´ ich ganz erfolgreich Hand- und Fußball gespielt, sogar mit (schmunzelt) Klassenstufen-Meisterehren auf der EOS.

Wann ging´s so richtig mit dem Faustkampf los?

Hillmer: Da muss ich fast sechzig Jahre zurückblicken. Mit neun habe ich das erste Mal die Handschuhe übergestreift, mit zehn meinen allerersten Kampf verloren und dann allerdings achtmal nacheinander gewonnen. Das war der Hype, weiterzumachen.

Gibt´s Trainer, die besonderen Einfluss genommen hatten?

Hillmer: Durchaus. Klaus Bauch als mein erster. Dann unbedingt zu nennen ist Erhard Tetzner. Von dem habe ich am meisten vor allem im technischen Bereich gelernt. Nicht zuletzt Sándor Csötönyi, dem späteren Trainer Ungarns bei Olympia 1980 und 1988.

Und wie viele Kämpfe hast du bestritten?

Hillmer: Boah, weiß ich gar nicht mehr. Aber weit über einhundert. Und sogar recht erfolgreich. (etwas verschmitzt) Im Jugendbereich hatte ich damals fast ein Abo auf den Bezirksmeistertitel und gewann zweimal Bronze bei DDR-Meisterschaften.

Was kam nach dem Jugendbereich, wie lange dann noch aktiv im Ring gestanden?

Hillmer: Das ist jetzt ein großer zeitlicher Sprung. Im November 1978 habe ich mich, weil unsere sehr erfolgreiche Boxstaffel der Humboldt-Uni nicht komplett war, zu den

Studentenmeisterschaften selbst mit aufgestellt. Ich verlor gegen einen eigentlich schwächeren Gegner. Da stand fest: Schluss!

Füllen wir die Zeitspanne bis dahin!

Hillmer: Nach der Penne, 1976, bin ich wie damals alle Abiturienten zur Armee. In Weißenfels hab´ ich nur die Grundausbildung gemacht und bin danach zum Armeesportklub nach Frankfurt/Oder. Dort liegt die Basis meines bis heute andauernden Wirkens. Ich habe neben dem aktiven Boxen den Trainerschein erworben.

Irgendwann war aber die Armeezeit vorbei?

Hillmer: Ich hatte mich auf eine Ausschreibung der Humboldt-Uni beworben und konnte dort in einer DHfK-Außenstelle die Sektion Boxen aufbauen. Im Fernstudium am Institut für Lehrerbildung in Berlin-Hohenschönhausen machte ich zudem einen Abschluss als Erzieher und Unterstufenlehrer Sport.

Die Uni-Stelle hielt allerdings nicht auf Ewigkeit?

Hillmer: Wenn nicht ausreichend interessierte Studenten da sind… Aber es ergab sich eine Stelle als TZ-Trainer in Friedrichshain. Die hielt bis zur Wende.

Danach ging´s wieder zurück nach Sachsen – mit ein wenig Heimweh?

Hillmer: War auch dabei, aber es reizte mich, die gebotene Chance wahrzunehmen, an der Sportschule Chemnitz eine Boxerklasse mit aufzubauen.

Mit durchaus nennenswerten Erfolgen!

Hillmer: Ich war Trainer von Kai Kurzawa, der eine tolle internationale Charriere hinlegte, sowie André Erhardt, der zweimal Deutscher Meister wurde. Immerhin!

Und seit 1993 das „Gesicht des KSSV“?

Hillmer: Ja, das ist so. Die eine Tür schließt sich, woanders geht eine andere auf. Und mit dem KSSV war´s DER Glücksgriff. Ich konnte all meine Erfahrungen aus Frankfurt, Friedrichshain und Chemnitz einbringen.

Mittlerweile gibt es zwei Boxturniere in Zwickau, beide ausgerichtet vom KSSV?

Hillmer: Ja, das eine zu Ehren meines Vaters (Manfred-Hillmer-Gedächtnis-Turnier; erstmals 2004) und das Turnier um die Pokale der Stadt Zwickau (seit 1994). Ich denke, behaupten zu können, dass in den neuen Bundesländern beide Turniere zu den sportlich wertvollsten zählen. Auch, weil in allen Altersklassen geboxt wird.

Stichwort Altersklassen – wie viele Boxer sind denn „durch deine Hände“ gegangen?

Hillmer: Boah, wieder so eine Statistikfrage. Weiß ich nicht, zähle ich nicht. Sagen wir einfach: Viele!

Aber du weißt, wie viele Titel und Medaillen „deine Schützlinge“ bis dato errungen haben?

Hillmer: Nochmal gleiche Antwort: Viele! Es sind zig Medaillen bei Deutschen Meisterschaften. Landesmeisterschaften und -titel hinzugerechnet sicher an die zweihundert Podestplätze.

Dann lohnt es ebenso nicht zu fragen, wie viele Kämpfe du in der Ringecke verbracht hast?

Hillmer: (lacht) Jüngst hat ein Mitarbeiter des Boxsport-Verbandes, der so ein Statistik-Freak ist, zu mir gesagt: Weißt du eigentlich, dass du wohl der an Dienstjahren älteste Boxtrainer im Amateurbereich in Deutschland bist! Woher sollte ich das wissen, wenn ich derartiges nicht zähle.

Aber mal geschätzt – wievielmal bisher in der Ringecke gestanden?

Hillmer: Das kann, wie sagt man Pi mal Daumen, überschlagen werden und ergibt eine Zahl von über 50.000.

Und das nicht nur mit deutschen Jungs!

Hillmer: Um das nochmal eineindeutig klarzustellen: Beim KSSV darf jeder boxen, jeder der Lust hat, Engagement und Disziplin an den Tag legt, egal welche Nationalität er hat.

Ausländische Jungs haben gelegentlich das Plus, die Flinte nicht gleich ins Korn zu werfen, wenn´s mal nicht so gut läuft, es mal eins auf die Nase gibt.

Wie lange soll´s denn noch im Gym am Brückenberg und in der Ringecke gehen?

Hillmer: Wenn ich gesund bleibe, solange es geht! Ein anderer Grund ist ausschlaggebender: Als meine Frau schwer erkrankte und 2018 verstarb, hat sie mir, obwohl ich die Arbeit aufgeben, zu ihrer Pflege zu Hause bleiben wollte, dies verboten und gesagt: Du kannst nicht hinschmeißen, was du aufgebaut hast. Boxen ist dein Leben!

Dann noch weiterhin guten Zulauf von talentierten Athleten und viele Erfolge.

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