Zur ältesten Burg und größten Höhle

Mallorca II – Nordosttour

Heißt das Urlaubsquartier Cala Ratjada sind viele Ausflüge auch per Rad oder mit dem Moped möglich. Zu Fuß sind längere Spaziergänge vom Hafen unmittelbar am Wasser Richtung Leuchtturm zu empfehlen oder beginnend am Playa Cala Guyá (auch Cala Agulla) nach Capdepera.

Der großen Badebucht im Norden von Cala Ratjada, der Cala Guyá, schließt sich ein Wald an. Pinien, Aleppokiefern, verschiedene Laubbäume, Sträucher und Gehölze bieten sowohl ein natürliches Sonnendach als auch ein einmaliges botanisches Flair. In diesem Naturschutzgebiet haben sich seltene Vogelarten eine Heimat reserviert. Also auch bitte dementsprechend verhalten!

Besonderen Reiz bietet ein Ausritt hoch zu Ross. Von den Pferdehöfen Hipico oder Rancho Bonanza werden ein- oder zweistündige Reittouren mit Pferd oder Pony angeboten. Die Ausritte führen durch den Pinienwald hinter der Cala Agulla zur Cala Molto bzw. Cala Mesquida. Besonders in den Morgen- oder Abendstunden, wenn flotter Trab oder leichter Galopp durch die landenden flachen Wellen führt, wird dem Reiter klar, warum auf dem Rücken der Pferde…, die nach dem Ritt auch abgerieben, getränkt und gefüttert werden.

Zurück zu den per pedes-Touristen. Wer Lust verspürt, sollte den Weg auf den 227 Meter hohen sogenannten Turmberg (Jaumell) wagen, auf dem sich ein im 16. Jahrhundert erbauter Wehrturm befindet. Belohnung für den Aufstieg: Ein imposanter Panoramablick auf die Bucht der Cala Mesquida im Westen, sowie die Cala Guyá und den Ort Cala Ratjada im Osten.

Nach sechs Kilometern ist die wunderschöne Bucht Cala Mesquida erreicht. Einzigartige, wildromantischen Landschaft, zum Teil bewachsene Wanderdünen verlangen ein Verweilen. Der über 300 Meter lange und 250 Meter tiefe, helle Sandstrand und glasklares türkisfarbenes Wasser laden zum Baden ein. Das Wasser fällt flach ins Meer ab, wird nur langsam tiefer. An Häuseransammlungen von Son Mesquida Nou, Son Terrasa und Son Jaumell geht die Tour weiter bergauf nach Capdeperra, dem Zentrum der mallorquinischen Korbflechterei. Etwas oberhalb des kleinen Örtchens befindet sich mit dem Castillo de Capdepera die größte Festungsanlage. Die ist neben dem Castell de Santuiri bei Felanitx die in ihrer Art einzige erhaltene der Insel.

Den Besucher empfängt eine hervorragend restaurierte mittelalterliche Burganlage mit mächtigen Wehrtürmen und Zinnen gekrönten Mauern. Vom Placa de l´Orient aus führt die steile Treppengasse Es Pla d´en Coset direkt zum Eingang der Festung. Nach 149 Treppen bietet sich vom Glockenturm der Burg und dem Verteidigungsturm Torre d´en Bana ein wundervoller Blick ins Hinterland und den Küstenbereich im Nordosten der Insel. Entlang des innenseitigen aber offenen Wehrgangs ist fast die gesamte Mauer begehbar, bietet einzigartige Aussichten und lässt an so mancher Stelle mit etwas Phantasie auch einen Sprung zurück in Kettenhemd mit Pfeil und Bogen zu. Die kleine im 14. Jahrhundert innerhalb errichtete schlichte gotische Kapelle Sant Pere setzt den Gegensatz zur wuchtigen Anlage. Hier wird das Gnadenbild der Madonna de la Esperanza (Muttergottes der Hoffnung) verehrt. Als im 14. Jahrhundert bei einem Angriff auf die Burg die Verteidiger das Marienbild auf den Wachturm gestellt haben sollen, sei so dichter Nebel aufgezogen, dass die Angreifer unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten. Die bereits von den Ureinwohnern erkannte strategisch günstige Lage der Burg war Grund vieler Angriffe und wurde auch später von den Römern und Arabern geschätzt. Zurück von der Burg laden an der Placa de l´Orient inmitten des Ortes viele Cafés zum Verweilen ein. Mittwochs kann hier das bunte Treiben des Wochenmarktes beobachtet werden. Zum Ortseingang Cala Ratjadas ist es eine halbe Stunde zu Fuß.

Nach Artá sollte unbedingt das Rad, ein Moped oder der Bus genutzt werden. Auf der MA15 wird Capdepera passiert und nach dreizehn Kilometern zeugen dicke Stadtmauern, befestigte Bürgerhäuser und enge Gassen von aufwendigen Schutzmaßnahmen aus früheren Zeiten. Funde aus der Bronzezeit beweisen, das Artá schon vor ca. 3000 Jahren gegründet wurde. Artá, vom arabischen Wort „jertan” (Garten) abgeleitet, wurde erstmals 1232 mit dem Namen Yartan erwähnt. Erstes Ziel in der auch durch das Vorkommen der „Zwergpalme” (Chamaerops humilis) bekannten Ort ist die imposante Wehrkirche Transfiguratió del Senyor, die man unbedingt auch von innen besichtigen sollte (Eingang am rechten Treppenaufgang). Die Vielzahl der Altäre ist absolut sehenswert. Zweihundert Stufen führen danach die von Zypressen gesäumte Treppe zur Festungsanlage mit der Wallfahrtskirche Sant Salvadorhinauf. In ihr zeigen lebendige Malereien die beiden mallorquinischen Helden: König Jaume der Eroberer, vor den sich ergebenen Moslems und die Steinigung Ramon Llulls in Tunesien. Von der Festungsmauer ist in Richtung Osten die Bucht von Canyamel zu sehen – dem nächsten Ziel dieser Tour.
Interessenten der Frühgeschichte und Ausgrabungen sollten aber noch im Ortsbereich auf der von Capdepera kommenden Straße im zweiten Kreisverkehr nach links zu den Talayots de Ses Paisses abfahren. Die Siedlung ist leicht zugänglich und befindet sich auf einer von alten Steineichen umgebenen Anhöhe, weniger als ein Kilometer vom Ortskern entfernt. Das eingezäunte Gelände ist pittoresk und sehr aufschlussreich. Bedeutende Relikte und beeindruckende Reste einer Megalithsiedlung, dessen charakteristisches Element der Talayot, ein in Zyklopentechnik oft mit mittlerer Kammer errichteter Turm, war. Einige Talayots, besonders die mit viereckigem Grundriss, hatten übereinander gebaute Etagen oder Stockwerke und wurden als Beobachtungstürme benutzt. In dieser Siedlung wurde der noch erhaltene Turm direkt mit dem Wall angelegt. Zu bestaunen sind weiterhin Reste ehemaliger Gebäude und Stadttore.

Bereits vom ersten Kreisverkehr geht es in Arta Richtung Canyamel und Küste. Die Straße MA4042 teilt sich nach etwa sieben Kilometern. Geradeaus, vorbei am Torre de Canyamel, endet sie etwas abseits des Hauptstrandes. Sich links haltend geht es mitten durch einen Golfplatz und endet direkt in der Badebucht des Ortes.

Wer zu den „Coves d´Artà“ will, kann im Kreisverkehr kurz vor der Küste in Canyamel links abbiegen und der Ausschilderung folgen. Verwunderlich für das sehenswerte größte Tropfstein-Höhlensystem: Der Einstieg befindet sich vierzig Meter über dem Meer. Eine steile Treppe führt in das fast fünfhundert Meter lange Höhlensystem, in dem konstante 18 Grad Celsius herrschen. Die mit Licht und Ton untermalte Führung führt durch verschiedene Säle wie den „Saal der 1000 Säulen“, in dem sich einige Stalagmiten und Stalaktiten bereits zu durchgängigen Säulen vom Boden bis zur Höhlendecke erstrecken, oder den Sala de las Banderas (Fahnensaal), vorbei an vielen eindrucksvollen Tropfsteingebilden mit klangvollen Namen. Im Salon de la Reina de las Columnas befindet sich die Königin der Säulen. Sie erreicht eine beachtliche Höhe von 22 Metern. Das „Paradies“ imponiert mit 54 Metern Hallenhöhe und ist die größte der Coves d’Artà. Sie gleicht dem Schiff einer Kirche und soll größer sein, als die Kathedrale von Palma. Als abschließender Höhepunkt der Führung wird von vielen Besuchern der Aufenthalt im oberen Teil des „Paradieses“ genannt. Mit klassischer Musik und passendem Farbenspiel wird das Thema Himmel und Hölle nähergebracht.

Die Zufahrt zur Höhle wieder zurück, gilt es sich vor dem Abzweig nach Canyamel nach rechts auf einen unbefestigten Weg zu orientieren. Der führt etwas beschwerlich über eine Bergkuppe mit Aussichtsturm (Torre Nova des Cap Vermell) und endet in Sa Font de la Cala. Immer in Ufernähe bleibend, erreicht man Cala Ratjada am Son Moll. Ein abschließendes Bad in den Wellen der Brandung ist sicher wohltuend und verdient.

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